Bestseller-Autor Sebastian Fitzek

«Erst der Tod gibt allem einen Sinn»

Autor: ASTRID BOCK

«Horror-Date» heisst das neue Buch von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek, 53. Anders als in seinen Thrillern gibt es darin nichts zum Gruseln. Um den Tod geht es aber trotzdem. Im Interview erklärt er, wieso er auf das Thema nicht verzichten kann, warum er Partys immer früh verlässt und niemals Chirurg hätte werden können.

Herr Fitzek, in Ihrem neuen Buch «Horror-Date» geht es viel um bewusstes Leben. Wie bewusst leben Sie selbst?

Sebastian Fitzek: Mehr schlecht als recht. Durch meine Geschichten beschäftige ich mich sehr viel mit dem Thema Tod. Ich bin jetzt 53 und ich habe mir durchaus schon die Frage gestellt, wie viele Sommer ich wohl noch habe. Damit verbunden ist auch die Frage: Nutze ich die mir verbleibende Zeit eigentlich sinnhaft? Natürlich gibt es aber immer wieder die Momente, in denen man feststellt, dass man sich über Quatsch ärgert, Zwängen unterwirft und den Moment dann leider doch nicht geniessen kann. Aber ich lebe schon sehr viel bewusster als früher, das kann ich sagen.

Das Thema Tod spielt in fast allen Ihren Büchern eine Rolle. Warum?

Fitzek: Steve Jobs hat mal gesagt: Der Tod ist die beste Erfindung des Lebens. Ich glaube, er meinte, dass erst der Tod allem einen Sinn gibt. Wenn wir bis in die Unendlichkeit leben würden, könnten wir alles aufschieben. Trotzdem verdrängen wir den Tod.

Sie zeichnen in Ihren Psychothrillern oft Schreckensszenarien um den Tod. Hat er für Sie dadurch seinen Schrecken verloren?

Fitzek: Nein. Es ist nicht so, dass ich dadurch abgestumpft bin. Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Ich brauche die Ängste, um über sie schreiben zu können. Ich habe aber grundsätzlich keine Angst davor, irgendwann zu sterben. Ich denke, es wird ein Mittel geben, das dafür sorgt, dass es nicht so schmerzhaft wird. Was mir aber Angst macht, ist, nicht zu wissen, was dann kommt. Das grosse Unbekannte. Ich hasse Prüfungen, vor allem, wenn man gar nicht weiss, in welchem Fach man geprüft wird und was danach kommt.

Ich höre da heraus, dass Sie grundsätzlich Vertrauen in die Medizin haben …

Fitzek: Ja, ich habe einige Mediziner in meiner Familie, ich vertraue der Medizin sehr und ich bin dankbar für all die Errungenschaften, die es im medizinischen Bereich gibt.

Gehen Sie schnell zum Arzt, wenn Sie etwas plagt oder warten Sie eher ab?

Fitzek: Mein Vater hat, entsprechend dem Männerklischee, Ärzte gemieden. Aber ich habe einfach keine Lust auf Schmerzen und wenn etwas ist, dann lasse ich nachschauen. Mit Vorsorge bin ich manchmal ein bisschen nachlässig, da könnte ich schon noch besser darauf achten.

Würden Sie sagen, Sie sind jemand, der sich um seine Gesundheit kümmert?

Fitzek: Ich habe kein Wissensproblem, aber ich habe manchmal ein Handlungsproblem. Zu viel Schokolade, industriell verarbeitete Lebensmittel, Essen unter Stress und im Stehen und dann auch noch zu wenig Sport. Ich müsste das mehr im Blick haben. Es gelingt mir aber schon besser als noch vor zehn Jahren, einfach, weil ich merke, dass es mir auch nicht guttut.

Welche Fachrichtung wäre Ihre, wenn Sie selbst auch Mediziner geworden wären?

Fitzek: Wahrscheinlich wäre ich Psychiater, weil ich gerne rede. Als Arzt hat man eine enorme Verantwortung, davor hätte ich grossen Respekt. Deswegen wäre ich auf keinen Fall Chirurg. Da muss man funktionieren, es geht im Zweifel um Leben und Tod, ich hätte Angst, Fehler zu machen und Schaden anzurichten. Ich schätze an meinem Beruf, dass ich auch mitten im Kapitel aufhören und am nächsten Tag weitermachen kann, wenn ich es nicht mehr schaffe. Ein Chirurg kann nicht einfach aufhören während der Operation. Ausserdem habe ich zwei linke Hände.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, was Sie machen würden, wenn Sie – wie die beiden Protagonisten in «Horror-Date» – nur noch begrenzte Zeit zu leben hätten?

Fitzek: Auf Reisen gehen und Dinge tun, die ich noch nie gemacht habe. Ich würde versuchen, möglichst viele Erinnerungen anzuhäufen.

Wann haben Sie das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Fitzek: Ich durfte im letzten Jahr eine Lesereise machen, die mit normalen Lesungen nichts mehr zu tun hatte. Es war eine Arena-Tour, ich bin vor 150 000 Menschen aufgetreten. Das war etwas, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich so etwas einmal erleben darf.

Im Buch gibt es den lustigen Satz «Glück ist wie ein Furz, willst du es erzwingen, geht’s meistens in die Hose». Was ist Ihre persönliche Definition von Glück?

Fitzek: Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, es ist ein schmerzfreier, sorgenfreier Zustand. Ein Moment, den man mit anderen teilt, am besten mit der Familie.

Sie sind sehr umtriebig und haben enormen Output. Haben Sie denn viel Zeit zum Durchatmen und zum Geniessen des Glücks?

Fitzek: Nein, ich bin ein nervöser Mensch, der sich schnell langweilt. Diese Langeweile versuche ich wiederum mit Kreativität zu füllen. Dadurch bin ich oft in einer Art Tunnel mit meinen Geschichten und fürchte, dass ich deshalb durch vieles hindurchrausche. Ich würde gerne mehr im Hier und Jetzt leben. Wenn ich zum Beispiel zu Veranstaltungen oder Partys gehe, werde ich nie alt. Ich bewundere die Leute, die Spass haben und die Nacht durchfeiern, weil ich das nicht kann. Ich habe schon mehrfach gesagt, dass ich mir am Ende meines Lebens am liebsten nochmal einen Film mit den Momenten ansehen würde, in denen ich zwar da war, aber die ich gar nicht richtig verinnerlicht habe.

Im Buch sagt einer der Protagonisten zu einer vermeintlich dementen Frau: «Ich wünschte, ich würde wie Sie in einer anderen Welt leben, in der keiner sonst Zutritt hat». Fühlt sich das Schreiben für Sie so an?

Fitzek: Ja, ich habe ein grosses Privileg. Ich kann mir eigene Welten erschaffen und Realitäten verdrehen und verbiegen. Ich kann beispielsweise verschwundene Kinder auch nach Jahrzehnten wieder auftauchen lassen. Das ist für mich auf jeden Fall ein wichtiger Motor.

Was ist für Sie das Schönste, was jemals über eines Ihrer Bücher gesagt wurde?

Fitzek: Ein erwachsener Analphabet hat mir erzählt, dass er mit «Die Therapie» lesen gelernt habe. Er hatte es im Unterricht durchgenommen, aber dann wurde die Lehrerin krank. Weil er aber unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht, ist er zum ersten Mal in seinem Leben in eine Buchhandlung und hat es sich gekauft. Er meinte, es habe zwar lange gedauert, aber er habe es geschafft. Das war schon 2007 und tatsächlich eine der ersten E-Mails, die ich bekommen habe. Auch deswegen ist sie mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Dieses Interview ist zunächst in der Apotheken Umschau erschienen, dem deutschen Partnermagazin der astreaAPOTHEKE.

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