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Sport: Überschätzen Sie sich nicht!

Nasim Eshqi ist die bekannteste Profikletterin des Iran. Seit Langem ist sie eine prägende Stimme für Freiheit und positive Selbsterfahrungen beim Klettern, aberSport ist gesund – vorausgesetzt, man verletzt sich dabei nicht. Ein Sportarzt erklärt, worauf man beim Joggen, Fussball- und Tennisspielen achten sollte. auch für die Rechte der Frau im Iran. Seit dem Herbst 2022 lebt sie im Exil in Italien.

Dr. med. Martin Narozny ist medizinischer Leiter des Medbase Sports Medical Center Zürich Löwenstrasse.

«Wenn man neu mit Laufsport beginnt,
ist es eine gute Idee,
sich einer Laufgruppe anzuschliessen,
um sich eine geeignete Technik anzueignen.»

Welche Sportarten führen am häufigsten zu Verletzungen?
Dr. med. Martin Narozny: Am grössten ist das Risiko bei schnellen Belastungs- und Richtungswechseln – also bei sogenannten Stop-and-Go-Sportarten. Dazu gehören die meisten Mannschafts- und Ballsportarten: Eishockey, Handball und allen voran Fussball. Wenn irgendwo in der Umgebung ein Grümpelturnier stattgefunden hat, steigt der Andrang in unserer Praxis zuverlässig an.

Weil dann viele ungeübte Spieler und Spielerinnen den Ball kicken?
Genau. Viele überschätzen sich selbst. Und wenn dann aus dem Spass ernst wird, gehen alle voll ran. So kommt es häufig zu Bänderzerrungen am Sprunggelenk sowie Knieverletzungen wie etwa Kreuzband- und Meniskusrissen oder Muskelzerrungen.

Wie kann man solch typischen Verletzungen vorbeugen?
Wichtig ist es, sich vor dem Spiel aufzuwärmen. Beim Fussball zum Beispiel empfehlen sich ein leichtes Einlaufen, Lockerungsübungen für die Hüfte, Aufwärmen der Rumpf- und Oberschenkelmuskulatur sowie Gleichgewichtsübungen. Entscheidend ist zudem die Ausrüstung.

Worauf muss man bei der Anschaffung von Sportutensilien achten?
Das kommt ganz auf die Sportart an. Beim Joggen ist zum Beispiel ein hochwertiger Schuh besonders wichtig. Er sollte der Fussform und dem Laufstil angepasst sein. Deshalb sollte man Sportschuhe nicht einfach im Internet bestellen, sondern sich im Fachhandel beraten lassen. Professionelles Verkaufspersonal beobachtet den Laufstil und erkennt zum Beispiel, ob das Fussgewölbe gestützt werden muss, weil man sonst einknickt.

Fürs Joggen werden Schuhe mit Gel in den Sohlen angepriesen, das die Stösse abdämpfen soll. Was halten Sie von derartigem Schuhwerk?
Davon ist man eher wieder abgekommen. Wenn man oft auf Asphalt läuft, kann eine leichte Dämpfungsfunktion schon Sinn machen. Doch die Ferse sollte gut eingefasst sein, damit man genügend Halt hat, und der Schuh sollte die diagonale Fussbewegung unterstützen.

Was für eine Rolle spielt die Lauftechnik?
Auch da kann man einiges falsch machen: Je nachdem, wie man beim Abrollen den Vor- oder Rückfuss belastet, mit den Armen schwingt und den Körperschwerpunkt bewegt, kann es zu Beschwerden kommen. Viele Anfängerinnen und Anfänger sind auch zu ambitioniert. Deshalb sind Verletzungen der Wadenmuskulatur und Achillessehnen häufig, aber auch Ermüdungsbrüche der Fussknochen. Wenn man neu mit Laufsport beginnt, ist es eine gute Idee, sich einer Laufgruppe anzuschliessen, um sich eine geeignete Technik anzueignen.

Was für eine Ausrüstung empfehlen Sie bei anderen Sportarten?
Für Velofahrende ist es wichtig, dass die Rahmengeometrie des Fahrrads stimmt und die Klickpedale richtig eingestellt sind. So können Knieprobleme vermieden werden. Tennisspielende dagegen sollten einen geeigneten Schläger mit passender Bespannungshärte wählen und eine gute Griff- und Schlagtechnik einüben. Sonst kommt es unweigerlich zum berühmten Tennisarm. Trotz aller vorbeugenden Massnahmen gibt es aber eine Sportverletzung, die besonders häufig auftritt.

An welche denken Sie?
Der klassische Unfall ist die Bänderzerrung am Fussgelenk: Beim Joggen im Wald tritt man auf eine unter Blättern verborgene Wurzel und schon ist es passiert. Bei Schmerzen und starker Schwellung empfiehlt sich ein Gang zum Arzt oder zur Ärztin. Mit einer Untersuchung kann man feststellen, ob es sich nur um eine leichte Überdehnung der Bänder handelt, die selbst wieder verheilt. Sollte es aber zu einem Riss oder gar einem Knochenbruch gekommen sein, sollte das Gelenk mit einem Gips oder einer Bandage ruhig gestellt werden.

Was kann man tun, wenn man immer wieder mit dem gleichen Fuss einknickt?
Auch dann sollte man einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, um sich untersuchen zu lassen. Die Ursache könnten zum Beispiel lockere Bänder oder eine mangelnde muskuläre Stabilisierung des Gelenkes sein. Sobald die Diagnose feststeht, können entsprechende Massnahmen zur Verbesserung der Stabilität eingeleitet werden. Betroffene können zum Beispiel das Gleichgewicht trainieren, indem sie beim Zähneputzen mit einem Bein auf einem Balancebrett stehen. Weitere Möglichkeiten zur spezifischen Steigerung von Geschicklichkeit, Reaktionsschnelligkeit und Kraft bietet die Physiotherapie.

Erste Hilfe bei einem Misstritt

Komprimieren
Wickeln Sie möglichst schnell eine elastische Binde mit leichter Spannung um den Knöchel. So tritt weniger Flüssigkeit ins Gewebe aus und die Schwellung fällt weniger stark aus.

Kühlen
Kälte reduziert Entzündung und Schmerzen. Die Verengung der Blutgefässe vermindert zudem die Schwellung. Sie können das Gelenk über dem Kompressionsverband kühlen. Verwenden Sie am besten ein Coldpack, notfalls tun es beispielsweise auch in ein Tuch gewickelte Eiswürfel oder Tiefkühlerbsen. Nach zehn Minuten Kühlung sollten Sie eine Pause einlegen und dann erneut kühlen.

Hochlagern
Lagern Sie den verletzten Fuss etwas erhöht auf einem Kissen.

Schonen
Wenn Schmerzen und Schwellung mit diesen Massnahmen vorbeigehen und Sie wieder gut auf den Fuss stehen können, sind Sie nach ein paar Tagen Schonung wieder mobil.

Medikamente
Eine kühlende, entzündungshemmende Salbe kann den Heilungsprozess unterstützen. Über einen begrenzten Zeitraum dürfen Sie auch ein entzündungshemmendes Schmerzmedikament einnehmen.