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Aufgepasst mit Medikamenten beim Autofahren

Wer trinkt, fährt nicht. Wer müde ist, fährt nicht. Und wer Medikamente einnimmt, klärt ab, ob er noch Auto fahren darf. Nützliche Tipps für den nächsten Trip am Steuer, sei es im Alltag oder bei der Fahrt in die Ferien.

Rahel Rohrer, Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) hat Müdigkeit ähnliche Auswirkungen wie Alkohol. Wer schläfrig fährt, schätzt Geschwindigkeiten falsch ein, ist unkonzentriert und reagiert ähnlich langsam wie nach dem Konsum von Alkohol. Im schlimmsten Fall nickt man ein. Ein Sekundenschlaf kann fatale Folgen haben: Lenker kommen von der Strasse ab und prallen mit hohem Tempo gegen Hindernisse, die Fahrzeuge schleudern oder überschlagen sich. Bei schätzungsweise zehn Prozent aller Verkehrsunfälle ist Müdigkeit im Spiel.

Die fünf wichtigsten Tipps für konzentriertes Lenken

  • Zu lange Fahrten vermeiden.
  • Regelmässig Pausen einlegen.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten beachten.
  • Müde? Anhalten und fünfzehn Minuten turboschlafen.
  • Mögliche Fahrunfähigkeit eingestehen und eventuell ÖV, Taxi oder Schlafgelegenheit organisieren.

Medikamente am Steuer: Erst fragen, dann fahren

Zwar können einige Medikamente kranken Menschen das Lenken eines Fahrzeugs überhaupt erst ermöglichen. Patienten mit einer Epilepsie beispielsweise dürfen nur Auto fahren, wenn sie über eine bestimmte Zeit keinen Anfall gehabt haben. Und hier helfen Medikamente. Doch grundsätzlich ist beim Autofahren wie bei Alkohol und Müdigkeit ebenso Vorsicht am Platz mit Medikamenten. In der Schweiz werden bei Strassenverkehrsunfällen, die auf die Einnahme von Medikamenten oder Drogen zurückzuführen sind, jährlich mindestens 150 Personen schwer verletzt oder getötet.

Die fünf wichtigsten Tipps fürs Autofahren mit Medikamenten

  • Sich bei einer Fachperson nach den Auswirkungen der Medikamente auf die Fahrfähigkeit erkundigen.
  • Vor der Einnahme die Packungsbeilage lesen.
  • Zu Beginn einer Therapie und bei Therapieänderungen (z. B. Dosisänderung) besondere Vorsicht walten lassen.
  • Bei Schlaf- und starken Schmerzmitteln besonders vorsichtig sein.
  • Alkohol zusätzlich zu Medikamenten vermeiden.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

«Seien Sie vorsichtig und erkundigen Sie sich in der Apotheke über Nebenwirkungen, bevor Sie sich ans Steuer setzen», empfiehlt die BFU. Viele Wirkstoffe können sich negativ auf die Fahrfähigkeit auswirken. Zum Beispiel machen sie müde, vermindern die Reaktionsfähigkeit, führen zu Konzentrationsschwächen oder verursachen Sehstörungen. Zusätzlicher Alkoholkonsum oder die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente können diese negativen Effekte noch verstärken. Viele Medikamente haben Einfluss auf die Fahrfähigkeit – auch rein pflanzliche und solche, die ohne ärztliches Rezept erhältlich sind.

Insbesondere bei folgenden Mitteln ist Vorsicht geboten

  • Aufputschmittel
  • Augentropfen und -salben
  • Appetitzügler
  • Beruhigungsmittel
  • Blutdrucksenker
  • Diabetesmedikamente
  • Erkältungs- und Grippemittel
  • Medikamente gegen Allergien (z. B. Heuschnupfen)
  • Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva)
  • Medikamente gegen Psychosen (Neuroleptika)
  • Migränemittel
  • Schlafmittel
  • Schmerzmittel

Lieber einmal zu viel fragen

Rechtlich gilt: Fahrzeuglenker tragen die Verantwortung für ihre Fahrfähigkeit. Das gilt auch bei der Einnahme von Medikamenten. Wer trotzdem fährt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Vor dem Drehen des Zündschlüssels lohnt es sich also, Rat in der Apotheke zu holen und zu befolgen.

Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.