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Gedächtnis: Wider das Vergessen

Es ist ganz normal, dass wir manchmal etwas vergessen. Doch wenn uns unser Gedächtnis öfter einmal im Stich lässt, machen wir uns Sorgen. Was kann hinter Erinnerungslücken stecken und was können wir tun, um unsere Hirnleistung zu verbessern?

Unser Gedächtnis speichert alles, was wir gelernt und erlebt haben. Im Kurzzeitgedächtnis werden die Daten nur Sekunden bis wenige Minuten lang aufbewahrt, eine dauerhafte Speicherung ist ausschliesslich im Langzeitgedächtnis möglich. Eine gute Konzentrationsgabe hilft dabei, wichtige Informationen besser zu erkennen und leichter im Gedächtnis zu deponieren. Damit diese Daten dann auch erhalten bleiben, ist ein wiederholtes Abrufen und Gebrauchen des Gespeicherten notwendig. Die Abgabe der hinterlegten Informationen aus dem Gedächtnis nennen wir Erinnerung. Entscheidend ist, dass die Erinnerungen zum gewünschten Zeitpunkt möglichst schnell, vollständig und genau abrufbar sind.

Fliessende Übergänge
Lange nicht jeder, der vergesslich ist, leidet auch unter Demenz oder Alzheimer. Selbst junge Menschen können sich nicht an alles erinnern – und das ist normal: Denn um sich vor einer Reizüberflutung zu schützen, muss unser Gehirn regelmässig unwichtige Informationen herausfiltern und dauerhaft löschen, damit immer wieder Raum für neue Inhalte geschaffen wird. Im Alter ist es natürlich, dass die Gedächtnisleistung etwas abnimmt und man sich an manches nicht mehr so genau erinnern kann. Das liegt daran, dass die Merkfähigkeit im Laufe der Zeit nachlässt und viele Prozesse im Hirn langsamer ablaufen. Solange sich die Gedächtniseinbussen im Rahmen halten und nicht merklich oder schnell zunehmen, ist alles im grünen Bereich.
Wo die Grenze zwischen normaler Vergesslichkeit und beginnender Demenz genau verläuft, ist oft schwer zu sagen und wird individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen. Für den einen ist es bereits schlimm, einmal einen Termin zu vergessen oder den Hausschlüssel suchen zu müssen, dem anderen scheint selbst häufiges Verlegen von Gegenständen oder das Suchen nach Begriffen völlig im Normbereich zu liegen.

Was sind die Ursachen?
Es ist allgemein bekannt, dass sich Faktoren wie Schlafmangel, Lärmbelästigung, Stress, Zeitdruck oder psychische Belastungen negativ auf unsere geistige Lern- und Merkfähigkeit auswirken können. Ist die Phase vorbei, kehrt auch die gewohnte Gedächtnisleistung wieder zurück. Nachhaltige und schwere Folgen für unser Gehirn können hingegen Alkohol- und Drogenmissbrauch bringen.
Dauerhafte Gedächtniseinbussen können bei älteren Menschen verschiedene Gründe haben. Ein bedeutender Faktor ist die Einsamkeit: Wer weder Ansprache noch Anregung bekommt, ist geistig unterfordert und macht zu wenig Gebrauch von seinem Gehirn. Mit der Zeit kann dieses seine gewohnte Leistung nicht mehr erbringen.
Zu den krankhaften Ursachen von Gedächtnisdefiziten gehören Durchblutungsstörungen oder Altersdepressionen sowie manchmal auch langjährige Erkrankungen wie Epilepsie, Multiple Sklerose, Schilddrüsenstörungen oder Parkinson. Medikamente wie starke Schmerz- und Beruhigungsmittel, Schlafmittel oder bestimmte Antidepressiva können die Gehirnleistung ebenfalls einschränken, ebenso wie ein allfälliger Vitaminmangel, insbesondere ein Manko an Vitamin B12.

Gezieltes Gedächtnistraining
Es gibt Kurse von verschiedenen Veranstaltern, die zum Ziel haben, das Gedächtnis spezifisch zu trainieren und die Merkfähigkeit zu verbessern. Dort werden zum Beispiel Strategien vermittelt, wie man sich Dinge besser merken kann. Durch die Verbindung mehrerer Sinneseindrücke wird das Gehirn stimuliert und vernetzt manuelle und geistige Fähigkeiten, wodurch die Gedächtnisfunktion verbessert wird.

Was sonst noch hilft
Wer vorbeugend handeln möchte oder bemerkt, dass sein Gedächtnis langsam nachlässt, kann auf pflanzliche Wirkstoffe setzen. In erster Linie sind hier Präparate mit Ginkgo-Extrakten zu nennen. Sie zeigen eine nachgewiesenermassen sehr gute Wirkung sowie eine sehr gute Arzneimittelsicherheit und Verträglichkeit auf. Ginkgo-Extrakte enthalten manchmal auch andere pflanzliche Extrakte wie Ginseng, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente und bilden sogenannte Aufbau- oder Stärkungsmittel. Liegt ein Vitamin-B12-Mangel vor, ist die Einnahme dieses Vitamins von grossem Nutzen. Eine Kombination mit diversen Aminosäuren erhöht die geistige Leistungsfähigkeit zusätzlich. Auch eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist im Alter empfehlenswert. Diese vermögen, ein Nachlassen der Gehirnleistung zu verzögern und sind vermutlich auch in der Lage, das Risiko einer Demenzerkrankungen zu verringern. Dies, weil die Fettsäuren als Bestandteil des zentralen Nervensystems für eine gute Vernetzung des Gehirns sorgen und dadurch bessere Hirnfunktionen erzielen. Ein ausreichendes Mass an sportlicher Betätigung sorgt für ein gutes körperliches und seelisches Wohlbefinden, welches wiederum die Grundlage für eine gute Leistungsfähigkeit des Gehirns darstellt. Auch eine proteinreiche Ernährung, die Muskelschwund vorbeugt und damit die notwendige Mobilität für körperliche Tätigkeiten sichert, sowie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D beeinflussen die Merkfähigkeit positiv. Alle diese Massnahmen sollten schon frühzeitig – spätestens bei den ersten Anzeichen von Gedächtnisschwäche – in den Alltag einbezogen werden. Sie wirken jedoch auch vorbeugend.

Immer am Ball bleiben
Tätigkeiten, die das Hirn aktivieren:

  • Zeigen Sie stets Interesse an Neuem, denn «wer rastet, der rostet».
  • Es gibt auf vielen Gebieten (z. B. Kunst, Kultur, Philosophie) sehr interessante Vorträge und Veranstaltungen für Laien, beispielsweise an der Volkshochschule.
  • Gute Bücher sind oft sehr spannend und deren Lektüre hält geistig fit.
  • Diskutieren Sie mit anderen. Versuchen Sie, deren Sicht der Dinge nachzuvollziehen und vertreten Sie Ihren eigenen Standpunkt mit guten Argumenten.
  • Lernen Sie ab und zu etwas auswendig, z. B. ein schönes Gedicht. Dann fällt es einem auch leichter, Zahlen oder andere Texte in Erinnerung zu behalten.
  • Erstellen Sie eine Einkaufsliste, aber versuchen Sie im Laden erst einmal, aus dem Gedächtnis einzukaufen. Bevor Sie zur Kasse gehen, schauen Sie die Liste an. Sie werden sehen, die Zahl der «vergessenen» Artikel wird mit der Zeit immer geringer werden.

Sicher fallen Ihnen noch viel mehr Dinge ein, denen Sie mit Freude nachgehen können!

Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.