Hals, Nase, Ohren: Ein sensibler Bereich

    Nur schon ein heftiger Schnupfen oder Halsschmerzen können Laune und Leistungsfähigkeit eines Menschen beeinträchtigen. Dr. med. Kristina Strub und Dr. med. Kaspar Strub, Basel, kennen sich als Fachärzte im Umfeld Hals-Nasen-Ohren (HNO) bestens aus.

    Bei Halsbeschwerden geben Betroffene oft die Selbstdiagnose «Ich habe Angina» ab. Wie unterscheiden sich Schluckbeschwerden und Halsschmerzen von einer echten Angina?
    Kristina Strub*: Schluckweh und Halsweh sind unspezifische Symptome. Angina dagegen ist eine ärztliche Diagnose, bei der es um einen bakteriellen Infekt geht, um eine Entzündung der Tonsillen, also der Mandeln.

    Bei Kindern gehen Erkältungserkrankungen häufig mit Ohrenschmerzen einher. Ist dies bei Erwachsenen eher selten der Fall?
    Zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachenraum haben wir eine Art Belüftungskanal, die sogenannte Ohrtrompete. Bei Kindern ist dieser Kanal noch entsprechend klein ausgebildet und er verläuft waagerecht. Was zur Folge hat, dass Schleim aus der Nase direkt zum Mittelohr gelangen kann. Im Erwachsenenalter ist die Ohrtrompete länger und steiler angelegt, ausserdem sorgen das Sprechen und Schlucken für ständige Belüftung. All dies reduziert die Gefahr des Ausbruchs einer Mittelohrerkrankung.

    Was sagt Ihnen der volkstümliche Spruch «Kopf kühl, Füsse warm/macht den besten Doktor arm»?
    Kaspar Strub*: Er will wohl sagen, dass – abgesehen vom Virus – eine Unterkühlung die Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten vergrössert. Aus eigener Erfahrung kann ich ergänzen: Wenn mich eine kleine Erkältung erwischt hat, ziehe ich einen dicken Pullover und Socken über, allenfalls noch eine Mütze, und lege mich ins Bett. Die so erhöhte Körpertemperatur bekämpft die Viren ähnlich wie das Fieber und beschleunigt den Heilungsprozess.

    Eine «Stärkung des Immunsystems» ist vermutlich auch im HNO-Bereich ein Thema?
    Oft wird dieser Begriff in der Werbung etwas zu salopp verwendet. Zunächst braucht das Immunsystem zu seiner Unterstützung gutes «Werkzeug» in Form von Vitaminen und Spurenelementen wie etwa Eisen, Zink oder Vitamin D. Überdies benötigt es ausreichend Schlaf, genügend Flüssigkeitszufuhr und körperliche Aktivität sowie Kontrolle des Körpergewichts. Das Immunsystem muss ausserdem zu den verschiedensten Viren Erfahrungen sammeln, um sie erkennen und bekämpfen zu können. Die Grippeimpfung ermöglicht dem körpereigenen Abwehrsystem, den Aggressor zu identifizieren. Was aktuell das Coronavirus anbelangt: Dieses ist bislang noch ziemlich unbekannt und hat deshalb im Angriffsbereich leichtes Spiel.

    Können irgendwelche Verengungen im «Innenausbau» der Nase schweren oder chronischen Schnupfen begünstigen?
    Der Luft- bzw. Gasaustausch sowie der Flüssigkeitsaustausch zwischen den Nasenhöhlen sind entscheidende Faktoren. Die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen müssen durchgängig bleiben. Manchmal können Medikamente diese Durchgängigkeit wiederherstellen. In gewissen Fällen erweist sich eine Operation als notwendig.

    Weshalb verursacht ein heftiger Schnupfen manchmal starke Kopfschmerzen?
    Kristina Strub: Die Kopfschmerzen oder Schmerzen hinter den Augen kommen auf, weil die Schleimhaut im ganzen System so stark angeschwollen ist, dass der angesammelte Schleim oder Eiter nicht mehr abfliessen kann. Mit Nasensprays oder entsprechenden Medikamenten muss die Abflussfähigkeit wieder ermöglicht werden.

    Schützt die «Corona-Maske» allenfalls auch vor Grippeviren?
    Kaspar Strub: Der Maskenschutz wäre immer schon auch bei Grippeepidemien sinnvoll gewesen. Die gängigen Masken und ebenso Stoffmasken bieten ihren Trägern nur begrenzt direkten Schutz. Sie halten jedoch Spuckpartikel fern und schützen so Mitmenschen vor Ansteckung. Wenn zuverlässig alle das «Mässgli» tragen und sich auf diese Weise die Aerosoldichte in der Luft verringert, bietet die Maske aber doch auch guten individuellen Schutz. Allerdings sollte die Maskendisziplin auch insofern strikte eingehalten werden, als sowohl der Mund als auch die Nase vollständig bedeckt sind.

    Wäre allenfalls eine minimale Dosis eines ätherischen Öls auf der Innenseite der Maske empfehlenswert – im Sinne einer Unterstützung für die Atemwege?
    Eine kleinste Menge beispielsweise von Menthol könnte die Nervenenden im Inneren der Nase angenehm reizen und vom Gehirn als Meldung wahrgenommen werden, dass die Atemwege frei seien. Wir sprechen hier nicht etwa von Virenschutz, sondern es geht einzig um das subjektive Empfinden, das aber sehr hilfreich mitwirken kann.

    Vom positiven Effekt der Körpererwärmung war schon die Rede. Welche weiteren persönlichen Empfehlungen geben Sie als HNO-Ärzte?
    Kristina Strub: Wir halten uns an die «Genug-trinken-Regel» und nehmen jeden Morgen Vitamine zu uns. Wichtig ist immer auch, dass man seine Aktivitäten runterfährt, sobald man Anzeichen der Erkrankung wahrnimmt. Bei mir kann sich diese Entschleunigung so äussern, dass ich mich in der Mittagspause in der Praxis auf dem Sofa ausruhe oder wir gehen schon um 21 Uhr statt erst um 23.30 Uhr zu Bett. Nicht zu vergessen: Wir HNO-Ärzte lassen uns gegen Grippe impfen.
    Kaspar Strub: In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Phytotherapeutika zu sprechen kommen. Bewährte pflanzliche Heilmittel zur Behandlung von Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung sind teilweise schon seit etwa hundert Jahren auf dem Markt und in der Apotheke ohne Rezept erhältlich – so etwa ein Produkt, das unter anderem Extrakte von Holunderblüten und Eisenkraut mitbringt.
    Kristina Strub: In dieser Thematik hat auch das, was man als «Grossmutter-Heilmittel» bezeichnet, eine Berechtigung. Was heissen kann, dass man nicht unbedenklich ein Antibiotikum einwirft, sondern sich Ruhe gönnt und ein halbwegs vernünftiges Leben führt.
    Kaspar Strub: Ja, Antibiotika haben in diesem ganzen Bereich sehr wenig verloren. Bei einer Sinusitis beispielsweise verhindert das Antibiotikum zwar die Vermehrung der Bakterien oder es bringt sie gleich um. Aber gleichzeitig werden nützliche Bakterien gekillt und die Darmflora wird angegriffen. Das Kernproblem, die Entzündung, wird jedoch nicht behandelt. Wir legen grossen Wert auf eine optimale Belüftung der Atemwege, die Behandlung der Entzündung und die Unterstützung der Selbstheilungskräfte des Organismus.

    * Dr. med. Kristina und Dr. med. Kaspar Strub führen in Basel eine HNO-Gemeinschaftspraxis. Kaspar Strub ist als Facharzt ein gefragter Referent und Medienpartner.

    Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.