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Magische Kräuter: Hoi du, mein Name ist Hexine

Als kleine Kräuterhexe mische ich mir liebend gerne meine eigenen Arzneien! Für ganz besondere Mischungen verwende ich Heilpflanzen wie Zaubernuss, Teufelskralle oder Blutwurz. Glaubst du mir, dass auch deine Apotheke damit arbeitet? Nein?

Die Verwendung von Heilpflanzen verschiedenster Art gehört zu den ältesten Therapiemethoden. Zugegeben, zunächst waren viele Kräuter noch nicht so gut erforscht, wie sie es heute sind, aber der griechische Arzt Hippokrates beispielsweise setzte bereits im fünften Jahrhundert vor Christus viele Heilkräuter in durchaus sinnvoller Weise ein. In der Römerzeit und im Mittelalter wurde weiter gepflückt, verarbeitet und verabreicht. So mancher Hexentrunk erfüllte gute Dienste, manchmal war aber auch nicht viel Wirkung zu verspüren oder die angepriesene Arznei erwies sich sogar als giftig. Schliesslich wurden medizinische Universitäten gegründet, Erfahrungen mit Heilkräutern wissenschaftlich dokumentiert und ihre Wirksamkeit mit modernen Untersuchungsmethoden bestätigt. So muss heute niemand mehr Angst vor nutzlosen oder gar schädlichen Elixieren haben, auch wenn einige Pflanzen gar mystische Namen haben. Hier ein paar davon:

Zaubernuss

Die Virginische Zaubernuss (Hamamelis) kann tatsächlich ein wenig zaubern, aber vielleicht nicht so, wie du denkst: Einerseits trägt sie mitten im Winter, wenn alle anderen Bäume und Sträucher im Garten noch karg in die Landschaft ragen, lustige, zitronengelbe Blüten. Andererseits kann sie ihre Fruchtkapseln explosionsartig öffnen und dabei ihre Samen bis zu zehn Meter weit durch die Lüfte schleudern! Was ihre Heilfähigkeit betrifft, wirkt die Zaubernuss ebenfalls magisch: Leichte Entzündungen und Verletzungen an Haut und Schleimhaut sowie Hämorrhoiden zaubert sie mit ihren hautpflegenden Inhaltsstoffen einfach weg.

Teufelskralle

Die Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum) verdankt ihren furchterregenden Namen ihren Früchten, die mit ihren mehreren Zentimeter langen Haken tatsächlich krallenartige Gestalt annehmen. Teuflisch ist zudem auch der Geschmack der Wüstenpflanze, weil er mehr als bitter ist. Doch auch medizinisch betrachtet wird sie ihrem Namen gerecht, wirkt sie doch bei einigen Menschen mit leichten Gelenkbeschwerden beinahe höllisch gut.

Blutwurz

Als man noch nicht wusste, wofür eine Pflanze medizinisch zu gebrauchen ist, schaute man sie sich genau an und versuchte, aus erkennbaren Besonderheiten Hinweise für ihre Heilkraft abzuleiten. Hatte ein Kräutlein beispielsweise herzförmige Blätter, probierte man es bei Herzleiden aus. Das diese Vorgehensweise nicht immer klappte, mag wenig verwundern. Bei der Blutwurz funktionierten solche Überlegung aber gar nicht so schlecht: Da beim Schnitt durch ihre helle Wurzel ein blutroter Saft austritt, verwendete man sie im Mittelalter, um Blutungen zu stillen. Heute kennt man ihre genauen Inhaltsstoffe und diese sind tatsächlich leicht zusammenziehend und entzündungshemmend, was ihren Einsatz bei zumindest kleinen Verletzungen im Mundraum sinnvoll macht.

Drachenblut

Keine Sorge, wenn von Drachenblut die Rede ist, kommt kein Tier aus der Fabelwelt zu Schaden. Vielmehr handelt es sich um das Harz des Drachenblutbaumes, der in China beheimatet ist. Dieses wird zwar selten in heimischen Apotheken gelagert, wer aber mit der Heilkunst der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu tun hat, kommt spätestens dann mit diesem drachenstarken Harz in Kontakt, wenn es um die Behandlung von Prellungen oder Verstauchungen geht.

Steckbrief Hexine

Als kleine Kräuterhexe interessiere ich mich, wie viele Apothekerinnen und Apotheker, sehr für Pflanzen und weiss bestens über ihre Wirkweise Bescheid.

  • Ich suche Heilkräuter in der Natur und bestimme sie genau, um Verwechslungen mit giftigen Pflanzen auszuschliessen.
  • Je nach Pflanze sammle ich ihre Blätter, ihre Blüten, ihre Samen, ihre Früchte, ihre Rinde oder ihre Wurzeln.
  • Damit ich länger davon habe, trockne ich die gesammelten Pflanzenteile und bewahre sie in dunklen, luftdichten Gefässen auf.
  • Oft koche ich mir daraus einen Tee, manchmal setze ich die Kräuter aber auch in Alkohol an und bereite daraus Tinkturen, Sirupe oder Pillen. Um die Wirkung zu verbessern, mische ich – wenn nötig – auch mehrere Kräuter zusammen.

Das habe ich besonders gern

Wenn Heilkräuter in freier Natur wachsen dürfen oder zumindest im eigenen Garten angepflanzt werden.

  • Wenn wenig Chemie zur Aufzucht der Pflanzen eingesetzt wird.
  • Wenn Heilpflanzen aufgrund ihres medizinischen Nutzens nicht masslos geerntet werden, sodass sie vom Aussterben verschont bleiben.
  • Wenn ich andere Kräuterhexen treffe, die sich ebenfalls für die Heilkraft der Pflanzen interessieren.

Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.