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Pistensicher: Ungetrübtes Skivergnügen

Es ist Winter und weisser Pulverschnee lockt Ski- und Snowboardfahrer auf die Piste. Doch Achtung: Wer sich unfallfrei bewegen möchte, sollte einige Regeln beachten.

Schweizer lieben den Wintersport: Mehr als zwei Millionen Menschen fahren jährlich Ski oder sind mit dem Snowboard unterwegs. Dabei verletzen sich rund 51 000 Personen, wobei über 90 Prozent der Unfälle selbstverschuldet sind. «Viele Gäste überschätzen sich konditionell und in ihrem Können. Unfälle passieren meist dann, wenn man über seine Verhältnisse fährt, das heisst zu schnell und auf den falschen Pisten», gibt Walter Tschanz, Leiter des Pisten- und Rettungsdienstes im Skigebiet Arosa Lenzerheide als Grund an. Bei Skifahrern kommt es dann häufig zu Knieverletzungen mit Schäden am Meniskus oder die Bänder im Knie reissen, beispielsweise das Kreuzband. Snowboardfahrer hingegen verletzen sich aufgrund der unterschiedlichen Fortbewegungsart bei Stürzen eher am Handgelenk oder an den Schultern, mit einer häufigen Verletzung des Schlüsselbeins.

Selten noch schwere Unfälle

Schwere Unfälle sieht der Pisten- und Rettungschef hingegen selten: «Im Skigebiet Arosa und Lenzerheide zusammen passieren pro Saison rund 900 Unfälle. Zwölf bis vierzehn Prozent der Unfälle werden per Helikopter ins Spital transportiert. Den Rest übernimmt das Pistenrettungsteam vor Ort.» Die zwölf bis vierzehn Prozent sind dabei selten lebensgefährliche Stürze, sondern teils Verletzungen, die sehr schmerzhaft sind und vor Ort nicht behandelt werden können. Denn die Pistenpatrouille hat nur einen Rettungsrucksack und den Rettungsschlitten dabei. «Nach zwei Stunden beim lokalen Hausarzt sind die Betroffenen häufig wieder draussen», weiss Tschanz aus Erfahrung.

Dem Können angepasst fahren

Um Verletzungen überhaupt zu vermeiden, rät er, dem eigenen Können angepasst zu fahren: «Viele Unfälle passieren abends, weil die Ski- und Snowboardfahrer müde sind. Da wäre es besser, statt der Abfahrt die Seilbahn zu nehmen.» Zudem passieren mehr Unfälle bei weichem Schnee. Das Wetter hingegen habe laut Tschanz nur wenig Einfluss auf die Unfallhäufigkeit: «Bei schlechten Sichtverhältnissen wird langsamer gefahren und mehr auf die eigene Sicherheit geachtet.» Eine Herausforderung sind für ihn hingegen die neuen und schnelleren Bahnen, die auch ungeübte oder wenig trainierte Fahrer dazu verleiten, länger auf der Piste zu verweilen und zu fahren, als es die eigene Muskulatur zulässt. Insgesamt solle man deshalb den Wintersport mit mehr Ruhe und Gelassenheit angehen. «Skifahren ist wie Ferien haben», so Walter Tschanz. «Statt verbissen auf der Piste das Letzte herauszuholen, ist es ratsam, auch mal zwischendurch Pause zu machen und den Tag zu geniessen.»

«Angst» davor, dass bei einem solchen genussreichen Skitag der Alkoholkonsum ansteigt und das zu vermehrten Unfällen führt, hat der Leiter des Pisten- und Rettungsdienstes nicht: «Die Hütten im Skigebiet schliessen ab 16.30 Uhr. Dann müssen alle nach unten. Getrunken wird eher im Tal.»
Auch das Rowdytum, von dem so häufig die Rede ist, kann er nicht bestätigen: «Kollisionen machen einen Bruchteil der Unfälle aus und passieren meist dann, wenn das eigene Fahrkönnen überschätzt wird.»

Mängel bei Bindungen

Die Ausrüstung der Ski- und Snowboardfahrer sei insgesamt als gut bis ausgezeichnet zu bezeichnen. Manchmal vielleicht zu gut, «dann wird zu schnell gefahren, obwohl das Können fehlt», so Walter Tschanz. Der Helm hat sich ebenfalls durchgesetzt. Es komme zwar noch immer zu schweren Kopfverletzungen, aber die Anzahl und Tragik habe abgenommen. Einzig bei den Bindungen sieht er Mängel und dadurch bedingt mehr Unfälle: «Fahrer sollten diese gut nachkontrollieren lassen.»

Das bestätigt auch Jonas Truffer, stellvertretender Pisten- und Rettungschef im Skigebiet Zermatt: «Oftmals haben Anfänger zu schnelles Material an den Füssen. Es wäre besser, sich vor dem Kauf im Geschäft gut beraten zu lassen.» Zudem solle man das Skigebiet vorher ein wenig studieren, damit die Routen bekannt sind und Anfänger und Fortgeschrittene dem Können angepasste Abfahrten aussuchen können.

Vorbereiten auf die Skisaison

Und wie soll man sich auf die Skisaison am besten körperlich vorbereiten? Sowohl Walter Tschanz wie auch Jonas Truffer raten dazu, das ganze Jahr über aktiv zu sein und beispielsweise zu wandern, zu schwimmen oder mit dem Velo zu fahren. «Alles, was die Muskulatur stärkt und fördert, ist gut», sagt Jonas Truffer. Für Walter Tschanz geht die Winter-Skisaison schon früh im Jahr los. Ab Oktober werden die Pisten beschneit, die Markierungen vorbereitet und erneuert und Absperrungen eingerichtet. Im Gebiet Zermatt ist Skifahren zwar das ganze Jahr über möglich, aber auch dort wird sich im Herbst auf die eigentliche Skisaison vorbereitet. Teil des Rettungsteams zu sein, ist eine grosse Herausforderung und setzt viele Fähigkeiten voraus. «Das Rettungsteam muss vor Ort innerhalb von Sekunden entscheiden, was zu tun ist», so Tschanz, «denn im Winter besteht beispielsweise die Gefahr von Unterkühlung. Zaudern liegt da nicht drin.» Wer auf den Pisten patrouillieren möchte, muss neben medizinischen Kenntnissen, die in Kursen von Seilbahnen Schweiz erlangt werden, deshalb selber exzellent Skifahren können, bei guter Gesundheit sein und den Umgang mit dem Rettungsschlitten beherrschen. «Man muss schon abgehärtet und belastbar sein, um bei jedem Wind und Wetter arbeiten zu können», ergänzt Jonas Truffer. Zu den Aufgaben der Pistenrettung gehört auch die Lawinensprengung. Dann werden Schneedecken und Hänge untersucht, die Lawinensituation eingeschätzt und Lawinen gesprengt, die das Skigebiet gefährden können. «Besonders bei Neuschnee kann es dann schnell einmal hektisch werden», weiss Jonas Truffer aus Erfahrung.

Das Schöne in den Bergen zu geniessen, ist den beiden ein wichtiges Anliegen. «Ski- und Snowboardfahren sind Genuss, kein Leistungssport», sind sich Truffer und Tschanz einig. Deshalb Helm auf, Augen auf und Ruhepausen einlegen! Und wenn es nicht mehr geht, die Seilbahn nehmen!

Die Regeln des Internationalen Skiverbandes (FIS)

  • Die FIS-Regeln sind allgemeine Verhaltensregeln für Skifahrer und Snowboarder. Sie gelten weltweit nicht nur auf Skipisten und sollen – einer Strassenverkehrsordnung vergleichbar – Unfälle und gegenseitiges Gefährden vermeiden.
  • Rücksicht auf andere Skifahrer und Snowboarder nehmen.
  • Geschwindigkeit und Fahrweise dem Können anpassen.
  • Fahrspur so wählen, dass andere nicht gefährdet sind.
  • Immer mit Abstand überholen.
  • Sich beim Fahren stets vergewissern, dass man für andere keine Gefahr darstellt.
  • An engen und unübersichtlichen Stellen Anhalten vermeiden! Bei Sturz Stelle so schnell wie möglich freigeben.
  • Für Auf- und Abstiege den Rand der Abfahrt benutzen.
  • Zeichen, Markierungen, Signalisation beachten.
  • Jeder Ski- und Snowboardfahrer ist bei einem Unfall zur Hilfeleistung verpflichtet.
  • Ausweispflicht: Im Falle eines Unfalles muss jeder seine Personalien angeben.

Gekürzte Version, Quelle: www.skus.ch/de/recht-2.html

Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.