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Reisekrankheit: Widersprüchliche Signale

Endlich sind sie da, die langersehnten Sommerferien. Badeanzug, Sonnencreme und das süsse Sommerkleid sind im Koffer verstaut und das Auto abfahrtsbereit geladen. Doch bereits beim Anblick des fahrbaren Untersatzes wird es manchen Reisenden flau im Magen.

Genau genommen stimmt der Begriff «Reisekrankheit» nicht so ganz, denn grundsätzlich handelt es sich hier nicht um eine Krankheit, sondern lediglich um eine Reaktion unseres Körpers. Bei bestimmten Bewegungen werden unserem Hirn widersprüchliche Signale gesendet, die vor allem vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr und von den Augen ausgehen. Einerseits nimmt das Gleichgewichtsorgan klare Bewegung wahr, unsere Augen melden hingegen eine stabile, ruhende Umgebung.

Kinder bis zu etwa zwei Jahren
leiden kaum unter Übelkeit
und Erbrechen während der Fahrt.

Besonders oft tritt die Reisekrankheit bei einer Schifffahrt unter Deck oder als Beifahrerin oder Beifahrer bei der Autofahrt auf, wenn unsere Aufmerksamkeit zum Beispiel einem Stadtplan gewidmet ist. Interessanterweise leiden Kinder bis zu zwei Jahren kaum an Reisekrankheit. Dies liegt daran, dass ihr Gleichgewichtssinn noch nicht so ausgeprägt ist. Überwiegend sind Frauen, Schwangere und Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr betroffen. Auch Personen, die unter Ängsten, Stress oder Migräne leiden, trifft es häufiger.

Was tun?

Erste Vorboten einer Reisekrankheit sind Gähnen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und vermehrte Speichelproduktion. Später folgen Schweissausbrüche, Übelkeit, Erbrechen, erhöhter Puls und beschleunigte Atmung. Sollte Sie die Reisekrankheit erwischen, versuchen Sie als erstes, ruhig zu bleiben. Entspanntes, tiefes Atmen durch den Mund hilft. Probieren Sie, den Kopf zu stabilisieren und gegen die Kopfstütze zu halten. Kühles Wasser, ein kaltes Tuch für Nacken oder Stirn und Lüften können ebenfalls guttun. Je nach Reiseart schalten Sie eine längere Pause ein oder legen sich etwas hin.

Hilfe aus der Apotheke

In Ihrer Apotheke erhalten Sie Medikamente gegen die Reisekrankheit. Diese können jeweils im Akutfall eingenommen werden oder prophylaktisch bereits am Vortag oder kurz vor der Abfahrt. Meistens enthalten diese Arzneimittel Antihistaminika, die gegen Übelkeit und Erbrechen helfen. Sie sind als Zäpfchen, Kaugummis oder Tabletten erhältlich. Aber seien Sie vorsichtig: Oft machen Antihistaminika etwas schläfrig und sind deshalb keinesfalls für den Fahrer oder die Fahrerin geeignet. Auch Ingwer kann als eine natürliche Alternative zur Beruhigung des Magens empfohlen werden. In der Homöopathie stehen ebenfalls zahlreiche Mittel zur Verfügung. Akupressurarmbänder üben Druck auf einen spezifischen Punkt am Handgelenk aus und können auf diese Weise die Beschwerden lindern. Am besten, Sie lassen sich zu den verschiedenen Methoden in Ihrer Apotheke beraten.

Reisekrankheit vorbeugen

Es gibt einige Tipps und Tricks, eine Reisekrankheit zu verhindern. Eine gute Vorbereitung auf die Reise ist das A und O. Schlafen Sie vor dem Reiseantritt genügend und achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge, bevorzugt kohlensäurefreie Getränke wie Wasser oder Tee. Verzichten Sie vor und während der Fahrt auf Alkohol, Kaffee und Nikotin. Fettige, üppige Mahlzeiten belasten den Kreislauf, aber auch ein leerer Magen ist nicht zu empfehlen. Am besten nehmen Sie vor der Abreise leichte Speisen zu sich. Ferner scheinen Kaubewegungen die Überreaktion des Magens zu mildern, halten Sie deshalb Kaugummis sowie leichte Snacks wie Apfel- oder Karottenschnitze bereit. Lesen oder ständiges Aufs-Handy-Schauen ist tabu, fixieren Sie stattdessen einen festen Punkt in der Ferne. Im Auto sitzen Sie vorzugsweise selbst am Steuer oder gleich auf dem Beifahrersitz, im Bus vorne, aber nicht direkt über der Achse, auf dem Schiff ist die Mitte auf Deck empfehlenswert und im Flugzeug ein Platz am Mittelgang. Kurz zusammengefasst: Sitze mit möglichst wenig Pendelbewegungen und mit einem weiten Blickfeld auf den Horizont sind am besten geeignet.

Mit Kindern auf Reisen – das sollten Sie beachten

  • Machen Sie regelmässige Pausen und sorgen Sie für frische Luft. Während des Füssevertretens auch das Auto ruhig mal gut durchlüften. Allgemein sollte man auf eine eher kühle Temperatur im Wageninneren achten.
  • Ablenkung hilft! Hören Sie mit Ihren Kindern während der Fahrt Hörspiele, erzählen Sie ein Märchen oder machen Sie mündliche Rätselspiele. Computerspiele und Bilderbücher sollten bis nach der Reise warten.
  • Wenn Kinder schlafen, wird ihnen nicht übel. Reisen Sie daher bevorzugt spätabends während der Nacht. Als kleiner Trost: Zu diesen Zeiten sind die Strassen zumeist frei und Sie erreichen Ihr Ziel eher.
  • Für empfindliche Kinder bewährt sich der mittlere Sitz auf der Rückbank, denn dort haben sie einen freien Blick durch die Frontscheibe in Fahrtrichtung.
  • Seien Sie vorbereitet: Kinder schaffen es nicht immer, rechtzeitig zu reagieren, wenn ihnen übel wird. Packen Sie immer Tüten, Wechselkleidung und Feuchttücher ein.
  • Auf fettige Speisen wie Chips und dergleichen sollten Sie vor und während der Fahrt besser verzichten. Obst, Gemüse, Zwieback, Salzstangen oder Cracker eignen sich besser.
  • Für unterwegs können Sie Bonbons mit Ingwer- oder Pfefferminzgeschmack bereithalten, da diese zugleich gegen die Übelkeit wirken. Nehmen Sie auch genügend Getränke mit auf die Reise.

Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.