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Tierbisse: Wenn Stubentiger und Co. Zähne zeigen

Egal ob Schlangen, Skorpione oder Spinnen: Alle sind bei uns heimisch. Allerdings sind ihre Bisse sehr selten und zumeist harmlos. Hätten Sie nun gewusst, dass der häufigste und gefährlichste Biss von unserem geliebten Stubentiger, der Katze, stammt?

Rebecca Buchmann, Apothekerin

Tierbisse gehören zu den am meisten gemeldeten Unfällen. Prinzipiell soll jede Bissverletzung von einem Arzt begutachtet werden. Denn jeder Biss birgt, ausgelöst durch Keime aus Mund und Speichel, ein Infektionsrisiko. Besonders gefährdet sind dabei Kinder sowie ältere und immungeschwächte Personen. Zudem sind tiefe, klaffende Wunden, Bisse im Bereich der Hände und des Gesichtes äusserst kritisch. Fühlen wir unseren vierbeinigen Freunden einmal genauer auf den Zahn!

Katzenbiss

Einmal zu oft die Schnurrhaare gezwirbelt, am Schwanz gezogen oder einfach beim Spielen: Katzen beissen gerne zu. Obwohl der Biss selbst nicht gefährlich aussieht, ziehen fünfzig Prozent der Fälle eine Infektion nach sich. Mit ihren kleinen, spitzen Zähnen befördern die Vierbeiner Bakterien aus ihrem Speichel tief unter unsere Haut, wo diese sich vermehren und eine Infektion hervorrufen. 

Unsere Hände sind diesbezüglich überaus empfindlich. Da Sehnen und Knochen nahe der Hautoberfläche liegen, können sich diese bei einem Biss leichter entzünden. Zusätzlich, ungeachtet wo sich die Bissstelle befindet, können alle Bisse zu Infektionen und schlussendlich zu einer Blutvergiftung mit fatalen Folgen führen.

Hundebiss

Auch der beste Freund des Menschen hat Zähne. Ein Hundebiss birgt zwar ein geringeres Infektionsrisiko als ein Katzenbiss (zehn bis zwanzig Prozent der Verletzungen verursachen eine Infektion), jedoch steht die Verletzung selbst im Vordergrund, die zusätzlich unschöne Narben hinterlassen kann. Ein Hundebiss reicht von oberflächlichen Kratzern bis zu grossen Riss- und Quetschwunden. Je nach Situation, Grösse und Kraft des Hundes werden neben Haut und Gewebe auch Nerven, Muskeln oder gar Knochen verletzt. Bei stark blutenden Wunden ist die erste Priorität, die Blutung zu stoppen. Legen Sie hierzu einen Druckverband an und lagern Sie das verwundete Glied des Verletzten hoch. Danach heisst es aber ab zum Arzt.

Im Notfall

Für Tierbisse gelten allgemeine Erstversorgungsmassnahmen (siehe Box). Anschliessend gilt es, Infektionsanzeichen frühestmöglich zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Erste Symptome treten in der Regel innert zwölf bis vierundzwanzig Stunden nach dem Biss auf. Beobachten Sie deshalb Bissverletzungen stets sorgfältig während der ersten Tage. Merkmale einer Infektion sind Rötung, Schmerzen, Schwellung, Überwärmung bis zur Eiterbildung. Ferner deuten rote Striche unter der Haut, welche von der Wunde wegführen, auf eine Entzündung der Lymphbahnen hin. Bei jeglichen Anzeichen einer Infektion ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.

Impfen nicht vergessen

Nach jedem Tierbiss ist der Impfstatus zu überprüfen. Glücklicherweise ist Tollwut in der Schweiz, ausser bei Fledermäusen, kaum ein Thema. Trotzdem wird Sie Ihr Arzt immer nach der Herkunft des Tieres fragen, welches den Biss verursacht hat. Haustiere sind generell gegen Tollwut geimpft. In Asien und Afrika ist Tollwut unter frei lebenden Tieren aber immer noch weitverbreitet. Vor einer Reise in ein Risikoland kann eine Tollwutimmunisierung sinnvoll sein, in erster Linie für Personen, welche mit wild lebenden Tieren arbeiten wollen.
In unseren Breitengraden ist dem Starrkrampf weitaus mehr Beachtung zu schenken. Da die Schweizer Bevölkerung in der Regel gut durchgeimpft ist, ist lediglich die letzte Impfung zu überprüfen. Liegt die letzte Tetanusimpfung je nach Alter des Verletzten über fünf bis zehn Jahre zurück, wird eine Auffrischimpfung vorgenommen.

Höchstes Infektionsrisiko

Vielleicht möchten Sie nun noch wissen, welcher Biss weltweit betrachtet, von Gift und Beisskraft abgesehen, das grösste Infektionsrisiko birgt. Überraschung: Der riskanteste Biss dahingehend stammt von uns selbst, dem Menschen. Unsere Mundflora ist hochinfektiös. So muss neben einer Vielzahl von Bakterien auch an die Übertragung von Viren (HIV, Hepatitis B und C) gedacht werden.

Erste Hilfe bei Bissverletzungen

  • Reinigen Sie die Wunde mit Wasser und wenn möglich mit etwas Seife (vor allem bei Tollwutverdacht ist Seife wichtig).
  • Desinfizieren Sie sie mit einem Wundspray.
  • Decken Sie die verletzten Hautpartien mit einer Gaze und Verband ab.
  • Legen Sie bei einer starken Blutung einen Druckverband an.
  • Gehen Sie zum Arzt und nehmen Sie zur Überprüfung Ihres Impfstatus gleich auch Ihr Impfbüchlein mit!

Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.