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Tinnitus: Unerklärliche Ohrgeräusche

Wenn es im Ohr pfeift, rauscht, klingelt oder piept, handelt es sich um einen Tinnitus. Diese unangenehmen Geräusche können eine grosse Belastung für die Betroffenen darstellen und die Lebensqualität mindern. Die Ursachen können sehr verschieden sein.

Tinnitus wird als «anhaltende oder wiederkehrende subjektive Wahrnehmung eines Tons oder Geräusches ohne akustische Stimulation von aussen» bezeichnet. Im Klartext heisst das, dass Geräusche wahrgenommen werden, die eigentlich gar nicht existieren! Dieses Phänomen kommt häufig vor. In der Schweiz sind schätzungsweise zwanzig Prozent der Bevölkerung in unterschiedlichem Ausmass von Ohrgeräuschen betroffen, Tendenz steigend. Beunruhigend ist die Tatsache, dass vermehrt auch junge Menschen unter Tinnitus leiden.

Viele mögliche Auslöser

Einerseits können Ohrgeräusche durch klar belegbare Umstände hervorgerufen werden. Dazu gehören beispielsweise Schäden am Trommelfell, eine Mittelohrentzündung, eine Lärm- oder Altersschwerhörigkeit, ein Hörsturz oder eine verminderte Durchblutung des Innenohrs. Auch der regelmässige Konsum von Alkohol oder Drogen sowie die Einnahme von Medikamenten, die zum Beispiel gegen Schmerzen und Rheuma, erhöhten Blutdruck oder Depressionen wirken, können einen Tinnitus hervorrufen oder verstärken.
Auf der anderen Seite können auch weniger gut definierbare Faktoren zu einem Tinnitus führen. In diesem Zusammenhang sind speziell emotionale Belastungssituationen wie Stress, Angst oder Überforderung sowie psychiatrische Erkrankungen zu nennen. Neuere Studien der University of California in Berkeley deuten zudem darauf hin, dass auch übererregte Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns für Ohrgeräusche verantwortlich sein könnten.

Wie ausgeprägt sind die Symptome?

Genau genommen handelt es sich bei einem Tinnitus nicht um eine Krankheit, sondern um ein Symptom. Man unterscheidet zwischen einem akuten Tinnitus, der seit weniger als drei Monaten besteht, und einem chronischen Tinnitus, der länger als ein Jahr andauert und nur etwa fünf Prozent der Menschen betrifft. In der Zeitspanne dazwischen wird von einem subakuten Tinnitus gesprochen. Wichtig ist aber vor allem die Einteilung in verschiedene Schweregrade, denn diese haben einen Einfluss auf die Behandlung: Beim kompensierten Tinnitus nimmt der Betroffene zwar Ohrgeräusche wahr, er kann aber damit umgehen und es folgen daraus weder gesundheitliche Probleme noch wird die Lebensqualität wirklich beeinträchtigt. Beim dekompensierten Tinnitus hingegen ergeben sich ein hoher Leidensdruck und spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Folge können Beschwerden wie Konzentrationsstörungen, Muskelverspannungen und Schlafstörungen bis hin zu sozialem Rückzug sein.

Auch eine Frage der Emotionen

Wie stark einen das Klingeln, Rasseln, Summen, Pfeifen oder Fiepen im Ohr belastet, ist auch emotional bedingt. Wer dem Tinnitus zu viel Bedeutung beimisst und ihn nur als drohend oder belastend erlebt, schafft es meist nicht, ihn auszublenden. Man kann dann leicht in einen Teufelskreis geraten, denn Gefühle wie Angst, Stress oder Aggressivität können zu einer Verstärkung der Symptome führen. Besser, man hält sich vor Augen, dass bei etwa siebzig Prozent aller Betroffenen die Beschwerden nur vorübergehend sind.

Was tun?

Je nach Dauer, Ursache und Auswirkung des Tinnitus fällt die Therapie verschieden aus. Allgemein gilt: Je früher gehandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Sind die Geräusche 24 Stunden nach Einsetzen des Tinnitus noch wahrnehmbar, sollte man zum Arzt gehen. Dieser kann mit Infusionen und entzündungshemmenden Wirkstoffen eine erste Behandlung einleiten. Eine Sauerstofftherapie, die einen möglichen Sauerstoffmangel im Innenohr beheben kann, steht ebenfalls zur Verfügung. Manchmal helfen auch Medikamente, die die Durchblutung fördern.
Besteht ein Tinnitus über längere Zeit, kann Psychotherapie helfen. Der Patient lernt dabei Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. So gelingt es, den Tinnitus zu überhören und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man mit Stresssituationen umgehen kann. Es gibt auch spezielle Therapien (z. B. die Tinnitus-Retraining-Therapie oder kurz TRT), bei denen das genaue Hinhören im Zentrum steht und anhand derer versucht wird, die Ohrgeräusche aus dem Gedächtnis zu drängen.

Hörgeräte können helfen

Speziell, wenn die Ohrgeräusche im mittleren Frequenzbereich liegen und mit einer Schwerhörigkeit einhergehen, können Hörgeräte Hilfe bringen. Durch die Verbesserung des Hörvermögens werden äussere Geräuschquellen wieder besser wahrnehmbar und der störende Tinnitus tritt in den Hintergrund. Ein auf Wunsch im Hörgerät eingebauter und zuschaltbarer Noiser (Rauschgerät) erzeugt ein ständiges, leises Rauschen, welches nicht als störend empfunden wird, vom Tinnitus ablenkt und eine Gewöhnung an die lästigen Ohrgeräusche erzielt.

Tinnitus vorbeugen – vor Lärm schützen

  • Bei dauerhaftem und lautem Lärm wie beispielsweise in Discos und an Konzerten Ohrstöpsel benutzen. Das gilt auch für selbst gespielte, laute Instrumente.
  • Musikanlagen nicht zu laut aufdrehen – besonders nicht, wenn Kopfhörer verwendet werden.
  • Im Haushalt, im Garten sowie Hobbybereich (z. B. in der Werkstatt oder im Motorsport) lärmarme Maschinen und Geräte benutzen.
  • Auf laute Kinderspielzeuge verzichten.
  • Sich immer wieder einmal Ruhe gönnen, z. B. bei einem Spaziergang auf dem Land.