Ungebetener Gruss aus der Kindheit
Gürtelrose
TEXT: DR. MED. LYDIA UNGER-HUNT
Die Windpocken aus der Kindheit sollten doch längst Geschichte sein? Leider nein: Der Erreger hat nämlich quasi ein lebenslanges Rückfahrtticket gelöst und kann sich daher jederzeit als «Gürtelrose» zurückmelden – häufig schmerzhaft und gelegentlich erstaunlich hartnäckig.
Ursache beider Krankheiten ist das «Varizella-Zoster»-Virus. Nach überstandener Windpocken-Infektion verschwindet es nämlich nicht, sondern zieht sich still und leise in sogenannten «Ganglien» zurück (eine Ansammlung von Nervenzell-Körpern), wo es jahre- bis jahrzehntelang zu ruhen pflegt. Wird nun das Immunsystem geschwächt – etwa durch Stress oder Krankheit, gemeinerweise aber auch einfach bei zunehmendem Alter – kann das Virus wieder aktiv werden und das Resultat heisst dann Gürtelrose (medizinisch: «Herpes zoster»).
Die Schmerzen können stärker sein, als der Hautausschlag vermuten lässt.
Meist einseitig, oft schmerzhaft
Der Beginn der Gürtelrose verläuft häufig sehr diskret mit etwas Müdigkeit, leichtem Fieber, Brennen oder Ziehen der Haut. Nach ein bis drei Tagen tritt dann der für die Gürtelrose typische schmerzhafte Hautausschlag aus: Rötungen und kleine Bläschen, die meist nur auf einer Körperseite auftreten, am häufigsten auf Brustkorb, Rücken oder Gesicht. Diese Bläschen sind mit Flüssigkeit gefüllt (in der die Viren schwimmen); sie trocknen nach einigen Tagen aus und verkrusten.
Da nicht nur die Haut, sondern vor allem die Nerven betroffen sind, können die Schmerzen einer Gürtelrose übrigens viel stärker sein, als der sichtbare Ausschlag es vermuten liesse; manchmal treten sogar Schmerzen auf, bevor überhaupt irgendwelche Zeichen auf der Haut zu sehen sind.
In der Regel heilt eine Gürtelrose innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Bei einem Teil der Betroffenen bleiben die Schmerzen jedoch bestehen, selbst wenn der Ausschlag längst verschwunden ist. In solchen Fällen liegt eine «Post-Zoster-Neuralgie» vor, also Nervenschmerzen, die Wochen, Monate oder in seltenen Fällen Jahre anhalten können (vom griechischen Wort für Nerv, «neuron», ursprünglich Sehne oder Schnur, und «algos», Schmerz).
Ansteckung: ja – aber nicht direkt
Eine Gürtelrose selbst ist zwar nicht direkt ansteckend. Aber Achtung: Die Viren aus den Bläschen können sehr wohl auf Menschen übertragen werden, die noch nie Windpocken hatten beziehungsweise nicht dagegen geimpft sind; diese Menschen entwickeln dann die Windpocken (nicht eine Gürtelrose). Solange die Bläschen nicht verkrustet sind, sollten Betroffene den engen Hautkontakt zu anderen Personen also sicherheitshalber vermeiden (ausser es steht fest, dass eine Infektion bereits stattgefunden hat).
Eine frühe Behandlung ist bei der Gürtelrose entscheidend, denn die verfügbaren antiviralen Medikamente können den Verlauf mildern und das Risiko für Komplikationen senken –das wirkt am besten bei Verabreichung innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Ausschlags. Zusätzlich kommen Schmerzmittel, kühlende Umschläge oder spezielle Salben zum Einsatz.
Die Impfung ist der wirksamste Schutz
Besser ist, die Krankheiten gar nicht erst aufkommen zu lassen: Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die Windpocken-Impfung als Basisimpfung mit zwei Dosen im Alter von neun und zwölf Monaten, zusätzlich wird eine Nachholimpfung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis zum 40. Geburtstag empfohlen, sofern sie noch nicht an Windpocken erkrankt sind oder noch nicht vollständig geimpft wurden. Seit 2023 werden die Kosten für diese Impfung von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen.
Seit 2022 wird in der Schweiz die Impfung gegen Gürtelrose empfohlen. Sie richtet sich an gesunde Personen ab 65 Jahren sowie an Menschen mit geschwächtem Immunsystem bereits ab 50 Jahren (bei schwerer Immundefizienz auch früher). Diese Impfung wird ebenfalls von der Grundversicherung vergütet.
Gar nicht so selten
Foto: ©SnapVault/AdobeStock

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