Kennen Sie die Herzgruppen?
Herzgruppen bieten einen sicheren Rahmen und Trainingseinheiten nach Mass
IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER SCHWEIZERISCHEN HERZSTIFTUNG
Gerade Menschen mit einer Herzerkrankung sollen sich regelmässig bewegen, doch viele sind unsicher, was und wie viel sie sich zumuten dürfen. Herzgruppen bieten einen sicheren Rahmen und Trainingseinheiten nach Mass. Eine Herzgruppenleiterin erzählt.
Sandra Fuhrer ist Sporttherapeutin in der ambulanten kardialen Rehabilitation im Inselspital Bern. Nebenbei unterrichtet sie dort zwei Herzgruppen und beantwortet fachliche Fragen rund um die Herzgruppen für die Schweizerische Herzstiftung.
Frau Fuhrer, was genau ist eine Herzgruppe und welche Ziele verfolgt sie?
Herzgruppen bieten ein Bewegungsprogramm, welches genau auf Herzpatientinnen und -patienten zugeschnitten ist. Das Training findet regelmässig unter fachlicher Leitung statt. In einer Herzgruppe sollen sich die Teilnehmenden sicher aufgehoben fühlen und auch der Austausch untereinander soll nicht zu kurz kommen.
Welche Bedeutung hat regelmässige Bewegung für Menschen mit einer Herzerkrankung?
Zur Vorbeugung eines weiteren Ereignisses und damit sich die Krankheit nicht verschlechtert, ist Bewegung zentral. Regelmässige Bewegung hat beispielsweise positive Effekte auf den Blutdruck, das Körpergewicht, den Blutzucker oder die Psyche. Wenn man diese Faktoren positiv beeinflusst, sinkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Welche Bewegungsformen eignen sich besonders gut?
Am wichtigsten ist, sich einen Sport auszusuchen, der zu einem passt, damit man möglichst lange und motiviert dabei bleibt. Besonders gut eignen sich Ausdauersportarten wie Wandern, Velofahren, Schwimmen oder Langlaufen. Jedoch sollte man zusätzlich Kraft-, Koordinations- und Beweglichkeitstraining in den Wochenplan einbauen. Dies kann in einer Herzgruppe, im Fitnesscenter oder draussen in der Natur stattfinden.
Welche positiven Veränderungen beobachten Sie durch das Training?
Vor allem bei älteren Teilnehmenden höre ich häufig, dass sie ihren Alltag wieder besser bewältigen können. Beispielsweise fällt es ihnen leichter, die Einkäufe die Treppe hochzutragen. Das Training hat oft auch einen positiven Effekt auf die Psyche. Viele Betroffene sind nach einem Ereignis sehr verunsichert. Das Training in der Gruppe gibt ihnen wieder Sicherheit im Alltag, da sie gelernt haben, wie stark sie ihren Körper wieder belasten können.
Welche Rolle spielen Motivation und Gemeinschaft für den langfristigen Trainingserfolg?
Der soziale Faktor ist zentral in einer Herzgruppe. Die Leute kommen nicht nur fürs Training, sie besuchen die Gruppe auch, um sich untereinander auszutauschen oder Sorgen und Ängste zu teilen. Da alle ein ähnliches Ereignis erlebt haben, schweisst dies sehr zusammen.
Welche Voraussetzungen sollten Teilnehmende mitbringen, um von einer Herzgruppe optimal zu profitieren?
Optimal ist, wenn die Teilnehmenden vorher eine stationäre oder ambulante Herzrehabilitation besucht haben. Sonst sollten sie unbedingt das Okay von ihrem Kardiologen oder Hausarzt einholen und gesundheitlich in einem stabilen Zustand sein. Oft werden Herzgruppen in verschiedenen Leistungsstufen angeboten, damit alle optimal profitieren können.
Viele Herzpatienten haben Angst vor körperlicher Belastung – wie nehmen Sie ihnen diese Sorge?
Die Bedenken verschwinden nach ein paar Wochen ganz von allein. Die Patienten und Patientinnen vertrauen uns Fachpersonen und mit jedem Training unter fachkundiger Leitung finden sie wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper. Falls die Angst bleibt, empfehlen wir eine Beratung bei der Kardio-Psychologin oder dem Psychologen.
Was hat Sie dazu motiviert, die Leitung einer Herzgruppe zu übernehmen?
Vor über 30 Jahren in meinem Sportstudium besuchten wir eine Klinik für Herzrehabilitation und ich war ganz begeistert. Als ehemalige Drogistin hat mich neben dem Sport auch immer die Medizin interessiert. In dieser Tätigkeit kann man perfekt beides vereinen. Herzpatienten sind meist sehr motiviert und möchten wirklich etwas in ihrem Leben verändern. Das motiviert wiederum uns Leiterinnen und Leiter, unser Bestes zu geben.
Was bedeutet Ihnen die Arbeit als Herzgruppenleiterin?
Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles, Sinnstiftendes zu tun, und hoffe, dass ich den Patienten und Patientinnen hilfreiche Inputs und Informationen auf den weiteren Weg mitgeben kann.
Gibt es ein Erlebnis mit Teilnehmenden, das Sie besonders berührt hat?
Ich glaube, da gibt es ganz viele! Ein Beispiel: Letzthin war eine ältere Dame krank und konnte nicht in die Herzrehabilitation kommen. Beim nächsten Training sagte sie: «Ich wäre letzte Woche so gerne gekommen, aber es ging wirklich nicht. Es hat mich so gereut und ich musste fast weinen, dass ich nicht ins Training kommen konnte.» Dann bekräftigte sie noch: «Das meine ich wirklich ernst»
Weitere Informationen zu Herzgruppen in Ihrer Nähe: www.swissheart.ch/herzgruppen
Foto: ©luciano/AdobeStock

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