Mundgeruch

Ein (unnötiges) gesellschaftliches Tabu

TEXT: DR. DR. JÜRGEN WEBER BRANCA

Über Mundgeruch spricht niemand gerne, es ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, obwohl ungefähr ein Viertel unserer Zeitgenossen darunter leidet. Mundgeruch ist jedoch nicht nur unangenehm für den Betroffenen und seine Umwelt, es kann auch Symptom einer Erkrankung und Hinweis auf die Ansiedelung bestimmter Bakterien sein.

Fast jeder von uns hat es bereits einmal erlebt, dass man einem Menschen gegenüberstand, dessen Atem alles andere als angenehm war. Seien wir ehrlich: Mit Mundgeruch (Fachausdruck Halitosis) verbinden wir sofort Sympathie und Antipathie. Der Mundgeruch spielt dabei nicht nur im Privatleben eine Rolle, er kann auch bei Menschen, die beruflich in engem Kundenkontakt stehen, eine enorme Auswirkung auf den beruflichen Erfolg haben.

Was ist Halitosis? Woher kommt Mundgeruch?

Bei Halitosis handelt es sich um unangenehm riechenden Atem. In ca. 90 Prozent der Fälle, in denen Halitosis nachweisbar ist, liegen die Ursachen im Mund, also im zahnmedizinischen Bereich. Meist führt der Stoffwechsel bestimmter Bakteriengruppen zur Entstehung sogenannter flüchtiger Schwefelverbindungen (VSC), die dann mit der Atemluft ausgeatmet werden. Die häufigste Ursache für das Entstehen von VSC sind Zungenbeläge.

Kann man Mundgeruch (Halitosis) messen?

Die Betroffenen können Halitosis meist selbst nicht feststellen. Jemanden aus seiner Umgebung zu fragen, ist jedoch peinlich, auch für den Befragten. Aber es gibt Methoden, Halitosis in spezialisierten Praxen mit einem Messgerät, dem Halimeter, objektiv verifizieren zu lassen. Dazu müssen vor der Messung bestimmte Bedingungen eingehalten werden. So darf man am Untersuchungstag nicht rauchen, keine alkoholischen Getränke, Kaugummis, Bonbons und kein Pfefferminz konsumieren. Der Gebrauch von Zahnpasta, Mundsprays und Mundspülungen sollte ebenfalls unterbleiben, ebenso wie die Benutzung von Aftershaves, Parfüms und Deodorants. Am Anfang der Messung steht jedoch die subjektive Beurteilung der Zahnärztin oder des Zahnarztes.

Halimeterergebnis positiv – was dann?

Wenn die Auswertung ein positives Ergebnis zeigt, schliessen sich eine intensive Inspektion der Mundhöhle, eine parodontale Untersuchung und evtl. die Anfertigung von Röntgenbildern an. Aus diesen Mess- und Untersuchungsergebnissen lässt sich in ca. 90 Prozent der Fälle eines bestehenden Mundgeruchs die Ursache im Mund erkennen und eine Behandlungsstrategie erarbeiten.

Was hilft gegen Mundgeruch (Halitosis)?

Bei der Behandlung einer Halitosis steht sicher die Verbesserung der Mundhygiene im Vordergrund, allgemein gesagt, die Kontrolle der bakteriellen Besiedelung der Oberflächen der Mundhöhle.

Dazu gehört, dass man bei der Benutzung der Zahnbürste diese nicht nur über die weissen Zahnoberflächen führt, sondern auch das angrenzende Zahnfleisch bürstet, wodurch man die Nischen der Zahnfleischfurchen reinigt. An der Benutzung von Interdentalbürsten und Zahnseide kommt man ebenfalls nicht herum. Zusätzlich empfiehlt sich ein Zungenschaber, mit dem die häufigste Ursache von Halitosis, abgestorbene Zellbestandteile und Bakterien, zumindest einmal täglich von der Zungenoberfläche entfernt wird.

Ergänzende Behandlungen können eine Zahnsanierung, eine Parodontalbehandlung oder gar Zahnentfernungen sein. Sanierungen einer entzündeten Kieferhöhle wie auch eine gastroskopische Untersuchung sind ebenfalls in Betracht zu ziehen, falls die Sanierung der Mundhöhle keinen Erfolg zeigt.

Da jedoch meist Bakterien, die Schwefelverbindungen produzieren, die Ursache für den Mundgeruch darstellen, führt eine exakte und vollständige Behandlung von Karies und Parodontopathie meist zu einem Verschwinden des unangenehmen Mundgeruchs. Sprays, Kaugummis oder Spüllösungen helfen leider nur symptomatisch und nicht kausal, daher bringen sie nur eine vorübergehende Verbesserung.

Über all diese Möglichkeiten informiert Sie am besten Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt, damit Sie ohne Mundgeruch und damit für Ihre Mitmenschen sympathisch bleiben.

Dr. Dr. Jürgen Weber Branca ist seit 40 Jahren Zahnarzt aus Leidenschaft, Spezialist Implantologie/Oralchirurgie, Buchautor, Fachjournalist. Sein Motto: «Behandle jeden Patienten so, wie du selbst behandelt werden möchtest!»

Foto: ©sebra/AdobeStock

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