Gesunde Ernährung für Ältere

Seniorengesundheit

TEXT: SUSANNA STEIMER MILLER

Im Alter nehmen Appetit und Energiebedarf tendenziell ab, während der Nährstoffbedarf gleich bleibt oder sich sogar erhöht. Deshalb sind nährstoffreiche Lebensmittel besonders wichtig.

Viele Seniorinnen und Senioren messen dem Essen nicht mehr die gleiche Bedeutung zu wie in jüngeren Jahren, als noch Kinder zu Hause lebten und man jeden Tag gekocht hat. Diese Erfahrung macht Stéphanie Bieler, Fachexpertin Ernährung bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE, immer wieder. Manchen älteren Menschen reiche ein Joghurt zum Abendessen. Wer sich regelmässig so ernähre, decke seinen Nährstoffbedarf jedoch nicht.

Mit zunehmendem Alter sinkt zwar
der Energiebedarf, der Bedarf an wichtigen
Nährstoffen bleibt jedoch hoch.

Risiken für Mangelernährung

Vor allem körperlich eingeschränkten, älteren Menschen kann die Zubereitung von Mahlzeiten schwerfallen. Für sie sind Mahlzeitendienste oder Mittagstische wichtig, um einer Mangelernährung vorzubeugen. Krankheiten wie Diabetes Typ II oder Nierenerkrankungen erfordern Ernährungsanpassungen in Absprache mit einer Ernährungsberaterin. Damit haben viele Betroffene Mühe. Manchmal führen Kau- oder Schluckbeschwerden dazu, dass die Nahrungsmittelauswahl und dadurch die Zufuhr einzelner Nährstoffe eingeschränkt ist. Wer daran leidet, benötigt Lebensmittel in angepasster Konsistenz. Laut Stéphanie Bieler können aber auch Geschmacksveränderungen dazu führen, dass die Nahrungsmittelauswahl sich verkleinert.

Ernährung und Alterungsprozess

Eine ausgewogene Ernährung trägt dazu bei, Krankheiten vorzubeugen. Sie liefert dem Körper alle benötigten Nähr- und Schutzstoffe, um möglichst lange gut funktionieren zu können. Eine bedarfsdeckende Zufuhr an Protein, Vitamin D und Energie sorgt zum Beispiel für ein optimales Funktionieren der Muskulatur, wodurch das Risiko für Stürze reduziert wird, was sich positiv auf die Selbstständigkeit auswirkt.

Stéphanie Bieler weiss: «Allgemein lässt sich sagen, dass durch die ungenügende Zufuhr an Nährstoffen die Funktion wichtiger Organe gestört und das Abwehrsystem geschwächt werden.» Dadurch nimmt die Lebensqualität ab. Das könne sich auch in unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit zeigen.

Mangelernährung kann alle treffen

Stéphanie Bieler weist darauf hin, dass Mangelernährung keine Frage des Gewichts sei: «Mangelernährung kann bei Personen mit Unter-, Normal- oder Übergewicht vorkommen.» Sie empfiehlt, jedem ungewollten Gewichtsverlust nachzugehen, um das Risiko für eine Mangelernährung und die damit verbundenen Folgen zu senken.

Weniger Durst im Alter

Ältere Menschen haben neben weniger Appetit oft auch weniger Durst. Das Trinken geht häufig vergessen. Manche trinken weniger, um nachts weniger häufig zur Toilette gehen zu müssen. Wer zu wenig trinkt, riskiert auszutrocknen. Anzeichen für einen Flüssigkeitsmangel sind laut der Expertin trockene Lippen oder Haut, ein trockener Mund, Blutdruckabfall, Schwindel, körperliche Schwäche, Verdauungsbeschwerden oder Verstopfung bis hin zu Verwirrtheit. Laut Stéphanie Bieler ist die Farbe des Urins ein guter Indikator dafür, ob der Flüssigkeitsbedarf gedeckt ist: «Der Urin sollte hellgelb sein.» Älteren Erwachsenen empfiehlt sie ebenfalls, einen bis zwei Liter zu trinken, ausser wenn eine medizinische Fachperson aufgrund einer zugrundeliegenden Erkrankung eine andere Empfehlung ausspricht.

Mehr trinken

Rituale und Erinnerungshilfen im Alltag tragen dazu bei, ans Trinken zu denken: Manchen hilft es, am Morgen einen grossen Krug Wasser oder ungesüssten Tee an einem prominenten Ort aufzustellen und bei jeder Gelegenheit einige Schlucke daraus zu trinken. Anderen wiederum fällt es leichter, die Flüssigkeitszufuhr an bestimmte Tätigkeiten zu binden, zum Beispiel nach jedem Toilettengang einen Deziliter Wasser (zwei bis drei grosse Schlucke) zu trinken.

Empfehlenswert ist zudem, zu oder nach den Mahlzeiten zu trinken: Wird bei jeder Haupt- und Zwischenmahlzeit ein Glas mit zwei Dezilitern getrunken, ist der tägliche Flüssigkeitsbedarf bereits grösstenteils gedeckt. Auch Kaffee darf zur Flüssigkeitszufuhr dazugerechnet werden. Für Abwechslung sorgen verschiedene Tees oder Wasser mit Zitronensaft, Minze oder Fruchtstücken. Allgemein wird zwar eine regelmässige Flüssigkeitszufuhr über den Tag empfohlen, allerdings sollte spätestens nach dem Abendessen nicht mehr allzu viel getrunken werden, wenn nächtliche Toilettengänge ein Problem darstellen.

Energiebedarf nimmt ab

Der Energiebedarf eines Menschen ist individuell und von vielen Faktoren abhängig, insbesondere aber von Körperzusammensetzung und körperlicher Aktivität. «Die Muskelmasse nimmt mit zunehmendem Alter ab und damit reduziert sich der Energiebedarf», erläutert Stéphanie Bieler. Eine Reduktion der körperlichen Aktivität führt ebenfalls zu einem geringeren Energiebedarf.

Tipps für ältere Menschen

Eine ausgewogene Ernährung im Alter hilft, ernährungsabhängige Erkrankungen vorzubeugen, die Mobilität und damit einhergehend die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten und im Falle einer Erkrankung die Genesung voranzutreiben. Sie beeinflusst die Lebensqualität positiv. Das Einhalten eines regelmässigen Mahlzeitenrhythmus und Abwechslung bei der Lebensmittelauswahl sind zwei wichtige Aspekte, wenn es darum geht, die Ernährung gesund und ausgewogen zu gestalten.

Stéphanie Bieler empfiehlt Seniorinnen und Senioren zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung und ausreichenden Flüssigkeitszufuhr zu jeder Hauptmahlzeit ein proteinreiches Lebensmittel zu konsumieren. Dies wirkt dem Abbau der Muskulatur entgegen. Weil die ältere Haut weniger gut Vitamin D bilden kann, ist die Vitamin-D-Supplementierung sinnvoll.

Hilfe aus Ihrer Apotheke

Eine ausgewogene Ernährung bildet die Grundlage für Gesundheit und Vitalität – doch gerade im Alter kann es schwierig werden, den Körper ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

• Bei erhöhtem Bedarf können Vitamin-D-Präparate oder weitere Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.

• Trinknahrung oder eiweissreiche Ergänzungsprodukte helfen, wenn Appetit oder Nahrungsaufnahme eingeschränkt sind.

• Ihre Apotheke unterstützt Sie bei Fragen zu Mangelernährung, ungewolltem Gewichtsverlust oder einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.

• Auch zu möglichen Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Ernährung kann Ihre Apothekerin oder Ihr Apotheker Sie beraten.

Ihre Apotheke berät Sie gerne individuell.

Foto: ©C. Daniels-peopleimages.com/AdobeStock

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