Stillen

Der kleine Start ins grosse Abenteuer

TEXT: DR. MED. LYDIA UNGER-HUNT

Stillen ist so alt wie die Menschheit und trotzdem für wahrscheinlich alle frischgebackenen Eltern ein ziemliches Neuland. Zwischen Glück, Unsicherheiten sowie kleineren oder grösseren Stolpersteinen ist alles möglich. Was die Muttermilch so alles kann und welche Tipps den Einstieg erleichtern können, lesen Sie hier.

Es fängt gleich nach der Geburt an, wenn der Körper der Mutter eine als besonders wertvoll geltende erste Milch produziert, das sogenannte «Kolostrum», auch «flüssiges Gold» genannt.

Eine entspannte Stillposition entlastet
Rücken, Schultern und Arme.

Massgeschneidertes Muttermilchmenü

Diese recht dickflüssige, gelbliche Vormilch ist ein echtes Kraftpaket: Reich an Antikörpern, leicht verdaulich und damit ideal abgestimmt auf den kleinen Magen des Neugeborenen ist es quasi ein konzentrierter «Immun-Drink» für den Start ins Leben.

Nach dem Kolostrum startet die Produktion der eigentlichen Muttermilch, welche über die Fähigkeit verfügt, sich nahtlos zu verändern: Zu Beginn einer Mahlzeit ist sie oft wässriger, was sich besser zum Durstlöschen eignet («Vordermilch»), danach wird sie fettreicher und damit sättigender («Hintermilch»). Zudem passt sich der Nährstoffmix mit zunehmendem Alter den Bedürfnissen des Säuglings an, es gibt dann weniger «Neugeborenen-Schutz» und mehr «Wachstumsunterstützung». Natürlich ist Stillen sehr praktisch, steht die Muttermilch doch grundsätzlich immer zur Verfügung, ist perfekt temperiert und kommt ganz ohne Verpackung aus.

Wenn’s nicht läuft wie geschmiert

Dies alles wirkt sehr natürlich, doch Stillen ist eine Fähigkeit, die Mutter und Kind gemeinsam erlernen.

Die möglichen Probleme und dazu passende Ratschläge:

Die Milch fliesst nicht von Anfang an reichlich, es gibt einen verzögerten Milcheinschuss beziehungsweise die Frau hat das Gefühl, zu wenig Milch zu bilden:

  • Ausreichend trinken unterstützt die Milchbildung.
  • Häufiges Anlegen des Babys (die Milchproduktion reagiert direkt auf Nachfrage) mit viel Hautkontakt und noch mehr Geduld.

Wunde Brustwarzen:

  • Erst gelernt werden müssen die richtige Anlegetechnik (der Mund des Babys soll nicht nur die Brustwarze, sondern auch Teile des Warzenhofs umfassen) und das richtige «Abdocken», um Schmerzen zu vermeiden – Hebamme oder Stillberaterin können hier praktische Tipps geben.
  • Auf die Pflege der Brustwarzen achten (ein paar Tropfen Muttermilch können dabei helfen, vor Infektionen zu schützen, zudem gibt es spezielle Öle und Salben beziehungsweise kühlende Kompressen).

Rücken- oder Muskelschmerzen:

  • Für die Mutter ist eine bequeme, entspannte Stillposition entscheidend: Ob im Sitzen oder im Liegen, ist dabei weniger wichtig, erlaubt ist alles, was sich gut anfühlt. Viele Frauen schwören auch auf ein Stillkissen, das Rücken und Arme entlastet.

Und wenn das Stillen einfach nicht klappt und mehr Stress als Nutzen bringt? Dann ist die moderne Säuglingsnahrung eine sehr gute Alternative. Denn entscheidend ist doch, dass das Baby gut versorgt ist, wächst und gedeiht und die Mutter sich wohlfühlt.

Baby isst mit

Übrigens: In den ersten vier Monaten nach der Geburt benötigt eine Frau pro Tag rund 500 Kilokalorien zusätzlich zum Grundbedarf von etwa 2000 Kilokalorien. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn, Eiweiss und gesunden Fetten ist nun ideal, während Alkohol vermieden und Koffein nur in Massen konsumiert werden sollte. Zudem sind wichtige Nährstoffe wie Jod, Folsäure oder Eisen im Blick zu behalten.

Nicht vergessen: Stillen ist keine Prüfung, die es zu bestehen gilt, sondern eine Reise – und diese verlaufen bekanntermassen manchmal holprig, oft berührend und immer ganz individuell.

Weltstillwoche und Stillangebote

In der Schweiz findet vom 14. bis 20. September 2026 die Weltstillwoche statt. Ziel ist, Stillen sichtbarer zu machen, Wissen zu vermitteln und die gesellschaftliche Unterstützung für Familien zu stärken.

Angebote rund ums Stillen:

• Still- und Laktationsberaterinnen (IBCLC): individuelle Beratung bei Stillstart, Problemen oder Fragen im Alltag.

• Hebammenbetreuung: Unterstützung im Wochenbett, auch zu Hause.

• Spitäler und Geburtskliniken: Stillbegleitung direkt nach der Geburt.

• Die Stillförderung Schweiz bietet Informationsmaterialien, Kampagnen und Veranstaltungen zur Weltstillwoche.

• Der Berufsverband der Still- und Laktationsberaterinnen (BSS) vermittelt qualifizierte Fachpersonen.

Foto: ©LIGHTFIELD STUDIOS_AdobeStock

Newsletter

Jetzt anmelden!