«Beratung schafft Verbindlichkeit»
Raucherentwöhnung
INTERVIEW: ANDREA SÖLDI
Von den Glimmstängeln loszukommen ist nicht einfach. Mit einer professionellen Begleitung und einer Strategie für schwierige Momente klappe es besser, sagt eine Fachfrau.
Frau Abbühl, um mit dem Rauchen aufzuhören, braucht es doch einfach einen starken Willen. Wieso soll man sich beraten lassen?
Viele, die es auf eigene Faust probieren, halten ihre guten Vorsätze langfristig nicht durch. Nach einem Rückfall sind sie enttäuscht von sich und brauchen Jahre, bis sie es erneut wagen. Wir von der Beratungslinie stopsmoking ermutigen sie, bald einen nächsten Versuch zu unternehmen und auf das Erreichte zurückzublicken statt auf das Scheitern.
Die professionelle Begleitung schafft eine gewisse Verbindlichkeit. Wir empfehlen auch, den Bekanntenkreis über den Entschluss zu informieren. Die offizielle Ankündigung erhöht die Schwelle, erneut zum Glimmstängel zu greifen. Gleichzeitig werden andere Rauchende wahrscheinlich Rücksicht nehmen und den Entwöhnungswilligen keine Zigaretten anbieten oder in ihrer Gegenwart qualmen.
Was braucht es sonst noch für einen erfolgreichen Rauchstopp?
Am besten legt man einen Zeitpunkt für die letzte Zigarette fest. Eine ausgeprägte Stressphase ist für einen Rauchstopp ungünstig. Es braucht ein Zeitfenster mit etwas Musse, jedoch ohne dass man das Vorhaben auf die lange Bank schiebt. Nach dem letzten Zug soll man den Aschenbecher und übrige Zigaretten aus der Wohnung wegräumen. Wir unterstützen Ratsuchende auch dabei, sich mit ihrem Suchtverhalten auseinanderzusetzen: Welche Situationen verleiten sie am meisten zum Rauchen? Sie müssen Strategien bereithalten, um diese heiklen Momente zu überbrücken. Manche haben einen schriftlichen Plan in der Hosentasche, auf dem drei Ideen für starkes Verlangen notiert sind.
Was hilft in solchen Momenten?
Zum Beispiel Kaugummis oder ungeschälte Sonnenblumenkerne. Die kleinen Snacks halten Hände und Mund beschäftigt und sind gleichzeitig gesund, ohne viele Kalorien zu enthalten. Einige machen ein kurzes Spiel auf einer App oder schauen ein Filmchen. Zudem gibt es spezielle Apps zur Unterstützung der Raucherentwöhnung. Meist dauert das Verlangen nur einige Minuten an. Dies zu wissen, hilft beim Durchhalten.
Was halten Sie von Nikotin-Ersatzprodukten und anderen Hilfsmitteln?
Bei starker Abhängigkeit empfehle ich oft nikotinhaltige Pflaster oder Kaugummis und gelegentlich auch andere Medikamente, die das Rauchverlangen mindern. All diese Mittel sind jedoch lediglich eine Art Krücke. Verhaltensänderungen, die man immer wieder einübt, sind unumgänglich.
Zum Beispiel?
Es gilt, neue Rituale zu entwickeln: Statt einer Rauchpause macht man vielleicht einen Spaziergang, ein paar Turnübungen oder eine Kurzmeditation. Zudem sollte man eine rauchige Umgebung meiden. Denn nur schon der Geruch oder der Anblick von Tabakwaren können im Gehirn etwas auslösen: Blitzschnell werden Erinnerungen an die Gefühle wach, welche die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin jeweils bei der Zufuhr von Nikotin bewirkte.
Was ist sonst noch wichtig?
Wer den Ausstieg geschafft hat, darf stolz auf sich sein und sich belohnen. Man kann sich zum Beispiel mit dem gesparten Geld oder darüber hinaus für jede rauchfreie Woche etwas Spezielles gönnen – etwa ein Essen in einem feinen Restaurant, eine Massage oder eine kulturelle Veranstaltung.
Gibt es einen Nachweis, dass Ihre Methoden funktionieren?
Die empfohlenen Strategien beruhen auf international anerkannten Richtlinien und Erfahrungswerten und entsprechen den Standards der WHO. Gemäss einer Evaluationsstudie von 2010 waren drei von zehn Personen mit den Beratungen ein Jahr später rauchfrei. Was zunächst nach wenig klingt, ist in Wahrheit beachtlich: Von denjenigen, die es auf eigene Faust probieren, sollen lediglich drei von Hundert den Ausstieg schaffen.
Foto: ©mbruxelle_AdobeStock

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