Blasenentzündungen
Druck, Drang und Dauerlauf
TEXT: DR. MED. LYDIA UNGER-HUNT
Es beginnt oft unspektakulär mit einem stärkeren Harndrang oder einem leichten Ziehen im Unterbauch – doch dann stellt sich rasch ein Brennen bei jedem Wasserlassen ein und die Schmerzen nehmen zu: herzlich willkommen im Club der Harnwegsinfekte.
Harnwegsinfekte können zwar grundsätzlich jeden Teil der sogenannten «ableitenden Harnwege» betreffen, vom «Nierenbecken» (ein kleiner Trichter in der Niere zum Sammeln des dort produzierten Harns) über die beiden Harnleiter (verbinden die beiden Nieren mit der Blase) über die Harnblase bis zur Harnröhre, wo der Urin nach aussen abgegeben wird.
Frauen, Männer, Kinder
Am häufigsten ist jedoch eindeutig die Harnblase betroffen, also die klassische Blasenentzündung (medizinisch «Zystitis»). Verursacher sind meist Bakterien wie «E. coli», die normalerweise als harmlose Darmbewohner ein ruhiges Dasein fristen. Gelegentlich finden sie jedoch den Weg in die Harnröhre und von dort in die Blase, wo sie sich an der Blasenwand anheften und dort die schmerzhaften Symptome auslösen.
Betroffen sind vor allem Frauen: Die weibliche Harnröhre ist näher am Anus und auch deutlich kürzer als die männliche (3–5 cm vs. 20–25 cm), Bakterien haben damit leichteres Spiel. Bei Männern sind Harnwegsinfekte also seltener, sie sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden, da möglicherweise eine Prostatavergrösserung dahintersteckt. Bei Kindern wiederum gilt: Insbesondere bei Fieber ohne erkennbare Ursache ist ein Harnwegsinfekt möglich.
Fieber und Flankenschmerz
Typische Symptome einer Blasenentzündung sind das bekannte Brennen beim Wasserlassen, ein äusserst unangenehmer, häufiger Harndrang mit nur kleinen Urinmengen sowie Unterbauchschmerzen; manchmal zeigt sich sogar Blut im Urin. Treten zusätzlich Fieber, Schüttelfrost oder Flankenschmerzen auf, ist auf jeden Fall ärztlicher Rat gefragt: Eine Nierenbeteiligung ist dann möglich.
Manche Menschen haben das Pech, sich immer wieder mit Harnwegsinfekten herumschlagen zu müssen. Passiert dies mehrmals pro Jahr, spricht man von chronischen oder «rezidivierenden» Harnwegsinfekten. Dahinter können hormonelle Veränderungen (Menopause) oder anatomische Besonderheiten stehen.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: So sind viele Blasenentzündungen «unkompliziert», das heisst, es gibt keine relevanten Begleitkrankheiten, die Komplikationen begünstigen würden, und sie heilen häufig von selbst aus.
Kresse und Cranberries
Hausmittel oder Präparate aus der Apotheke können hier die Behandlung unterstützen: Wärme, zum Beispiel in Form einer Wärmflasche auf dem Unterbauch, kann die Muskulatur entspannen und Schmerzen lindern. Pflanzliche Mittel mit Bärentraubenblättern oder Kombinationen aus Kapuzinerkresse und Meerrettich werden wegen ihrer antibakteriellen Eigenschaften eingesetzt. D-Mannose oder Cranberry-Produkte wiederum können es Bakterien erschweren, sich an der Blasenschleimhaut festzusetzen. Wichtig ist aber vor allem, viel zu trinken: rund zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag (Wasser und ungesüsste Tees), um die Harnwege gut durchzuspülen und damit die Bakterien zu entfernen.
Das gilt übrigens auch präventiv, denn wer regelmässig auf die Toilette geht und seine Blase entleert, macht es Bakterien schwerer, überhaupt an der Blasenwand anzuheften. Weitere Tipps für Frauen: nach dem Toilettengang von vorne nach hinten wischen; Unterkühlung im Unterbauchbereich vermeiden; und nach dem Geschlechtsverkehr zeitnah die Blase entleeren. Bei der Reinigung des Intimbereichs sind aggressive Produkte zu vermeiden, da sie die natürliche Schutzfunktion der Schleimhäute stören können. Bei Frauen in oder nach den Wechseljahren kann eine lokale Östrogentherapie die Schleimhaut stärken und damit das Risiko für wiederkehrende Infektionen senken.
In manchen Fällen, etwa bei starken Beschwerden, sind allerdings auch Antibiotika notwendig: Bitte lassen Sie sich zeitnah von Arzt, Ärztin oder in der Apotheke beraten.
Die Blase in Zahlen
• Ein Mensch produziert im Laufe seines Lebens rund 35 000 bis 40 000 Liter Urin (circa ein Swimmingpool).
• Die Blase speichert Urin im Schnitt zwei bis fünf Stunden, bevor sie sich mit Harndrang meldet.
• Der Urin gesunder Menschen ist steril, enthält also keine Bakterien.
Foto: ©New Africa_AdobeStock

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