Deutsch

Tipps für eine gesunde Verdauung

Verstopfung und Durchfall sind lästig und können die Lebensqualität mindern. Durch die Ernährung und Bewegung lässt sich die Darmtätigkeit positiv beeinflussen.

Wie oft ein Mensch Stuhlgang hat, ist individuell. Laut dem Apotheker Leo Grossrubatscher von der Dr. Andres Apotheke Stadelhofen in Zürich gilt eine Darmentleerung dreimal täglich bis dreimal wöchentlich als normal. Für Verstopfungen macht er unseren modernen Lebensstil mit unausgewogener und ballaststoffarmer Ernährung und wenig Bewegung verantwortlich.

Ernährungsumstellung

Christine Brombach, Ernährungswissenschafterin an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil, empfiehlt Menschen, die an Verstopfung leiden, ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen: «Ballaststoffe sind Quellmaterial und Futter für die zahlreichen Organismen, die in unserem Darm leben. Sie fördern die guten Bakterien im Darm.» Reich an Ballaststoffen sind Vollkornprodukte wie zum Beispiel Vollkornbrot, Frühstücksflocken ohne Zucker und Vollkornpasta. Die Fachfrau rät, das Frühstücksmüesli mit geschroteten Leinsamen, Flohsamen, grob gehackten Nüssen und Hafer- oder Weizenkleie anzureichern. Fermentierte Produkte wie Kefir, Sauerkraut(-saft) oder Kombucha-Tee und Hülsenfrüchte wie getrocknete Bohnen, Erbsen oder Linsen bringen den Darm ebenfalls auf Trab. Christine Brombach ergänzt: «Hülsenfrüchte lassen sich als Salate, Suppen oder Aufstriche zubereiten. Um Blähungen vorzubeugen, schüttet man das Einweichwasser am besten weg.» Ballaststoffe kommen ausschliesslich in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst täglich zu konsumieren. Das Obst geniesst man am besten frisch und nicht als Saft.


Die richtige Konsistenz des Stuhlgangs

Damit Ballaststoffe quellen können und es zu regelmässigem Stuhlgang kommt, muss man viel trinken. Christine Brombach empfiehlt 1,5 bis 2 Liter pro Tag. Bei Menschen, die viel schwitzen, sollte es mehr sein. Ideale Getränke sind Wasser und ungesüsster Tee. Mit der Trinkmenge und Ernährung lässt sich die Konsistenz des Stuhlgangs beeinflussen. Der Stuhlgang sollte weich sein. «Harter Stuhl und starkes Pressen können zu Fissuren am Anus führen», erläutert die Expertin.

Bewegung muss sein

Hinter einer Verstopfung steckt oft ein Bewegungsmangel. «Unser Körper muss in Bewegung bleiben, sonst wird der Darm träge», weiss Christine Brombach. Schon ein flotter Spaziergang oder Gartenarbeit regen die Darmtätigkeit an. Bewegung baut zudem Stress ab, der nicht selten für Verdauungsprobleme verantwortlich ist.

Hilfe bei Schmerzen

Wenn der Bauch aufgrund von Verstopfung schmerzt, kann eine Wärmeflasche guttun. Die Darmtätigkeit lässt sich auch mit einer Massage anregen. Leo Grossrubatscher empfiehlt, den Bauch im Uhrzeigersinn zu massieren. Er erklärt: «Während man mit der Hand von der linken Oberbauchseite zur linken Unterbauchseite entlang des Dickdarms streicht, darf man ruhig etwas Druck ausüben.»

Medikamentös gegen Verstopfung

Bringen eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung nicht den gewünschten Erfolg, bieten Apotheken diverse rezeptfreie Mittel zur Ankurblung der Darmtätigkeit. «Es gibt Mittel, die den Dünndarm reizen, wodurch Wasser in den Darm gezogen wird, was einen abführenden Effekt hat», weiss Leo Grossrubatscher. Schmiermittel wie flüssiges Paraffin wirken ebenfalls abführend. Als dritte Kategorie erwähnt der Apotheker Macrogol-Präparate: «Diese Mittel enthalten Stoffe, die im Darm verbleiben, von ihm hingegen nicht aufgenommen werden. Sie machen den Stuhl weicher.» Gute Wirkung zeigen auch pflanzliche Mittel wie Aloe vera als Saft oder in Form von Tabletten sowie Ballaststoffe in konzentrierter Form.

Unser Körper muss in Bewegung
bleiben, sonst wird der Darm träge.

Glycerin-Zäpfchen und Glycerin-Lösungen sowie ein Klistier, mit dem man Wasser in den Enddarm einführt, fördern den Stuhlgang unmittelbar. Leo Grossrubatscher empfiehlt diese beiden Massnahmen in der Akutsituation, also bei Unwohlsein und Schmerzen: «Wichtig ist aber, einen Darmverschluss nicht zu verpassen. Dieser erfordert in der Regel eine Notfalloperation.» Zeichen für einen Darmverschluss sind neben Verstopfung und starken Schmerzen ein schlechter Allgemeinzustand und eine grosse Abweichung vom individuellen Rhythmus der Darmentleerung. Zeigt der Einsatz eines Glycerin-Zäpfchens oder eines Klistiers keine schnelle Wirkung, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Darmverschluss.

Massnahmen bei Durchfall

Leo Grossrubatscher empfiehlt auch bei Durchfall, Quellmittel in konzentrierter Form zu sich zu nehmen: «Trinkt man dazu wenig Wasser, sind Ballaststoffe ein Verdickungsmittel.» Hilfreich sind ebenfalls stopfende Lebensmittel wie Bananen und Schokolade. Kapseln mit probiotischen Bakterien können die Darmflora positiv beeinflussen.

Als rezeptfreies Mittel stehen Medikamente mit dem Wirkstoff Loperamidhydrochlorid zur Verfügung. Leo Grossrubatscher empfiehlt Reisenden mit Blut im Stuhl jedoch, einen Arzt aufzusuchen und nicht zu versuchen, den Durchfall medikamentös zu stoppen: «Frisches Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl können ein Hinweis auf eine Darminfektion sein. Bakterien sollten nicht durch Medikamente im Darm blockiert werden. Sie könnten ins Blut gelangen und im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung führen.» Bei einer Infektion mit dem Norovirus verlängert man die Krankheitsdauer durch die Einnahme von Medikamenten, die den Durchfall stoppen. Der Apotheker ergänzt: «Bei einer Darminfektion hat Durchfall eine reinigende Wirkung und schützt den Körper.» Kommen zum Durchfall Fieber und ein schlechter Allgemeinzustand hinzu, empfiehlt er einen Arztbesuch.

Magenbrennen

Magenbrennen wird oft auch als Sodbrennen bezeichnet und charakterisiert einen brennenden Schmerz in der Magengegend, der auch in den Hals aufsteigen kann. Oft wird er durch falsches oder zu hastig eingenommenes Essen ausgelöst. Es entsteht zu viel Magensäure, die die Magenschleimhaut reizt. Was kann man dagegen tun? In erster Linie darauf achten, was man isst, sich Zeit für die Mahlzeiten lassen und Stress vermeiden. In Apotheken erhält man verschiedene Medikamente ohne Rezept, die schnell und gut helfen. Längerdauernde Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.